Mütter machten ihrem Ärger Luft

Beim TT-Forum in Mayrhofen wurde deutlich: In der Zillertalgemeinde gibt es ein großes Manko beim Betreuungsangebot für unter vierjährige Kinder. Aus den Wortmeldungen einiger Mütter sprach Verzweiflung.

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Von Angela Dähling

Mayrhofen –Das Thema Kinderbetreuung ist keine einfache Milchmädchenrechnung. Das wurde beim TT-Forum am Mittwochabend im Europahaus in Mayrhofen deutlich. Rund 100 Besucher lauschten den Ausführungen von Bürgermeister Günter Fankhauser und dem Familienausschussobmann im Gemeinderat, Roman Eberharter, die von TT-Chefredakteur Mario Zenhäusern mit teilweise provokanten Fragen wie „Hat Mayrhofen ein gestörtes Verhältnis zur Kinderbetreuung“ konfrontiert wurden.

Fragen aus dem Publikum gab es anfangs keine. Dann brach die Ramsauer Kindergärtnerin Regina Lederer den Bann: „Alle Eltern sind abhängig von der Gemeinde und fürchten Repressalien, wenn sie sich beschweren“, erklärte sie und bezeichnete die Öffnungszeiten des Mayr­hofner Kindergartens als ein „Armutszeugnis“. Dieser hat von 8 bis 12.30 Uhr und von 13.30 bis 15.30 Uhr geöffnet. Eine Reihe von Müttern ergriff danach das Wort und machte auf eine Vielzahl von Missständen und Problemen aufmerksam. „Ich kenne Mütter, die ihre Kinder nach Stumm, Uderns oder Ginzling bringen, weil sie in Mayr­hofen keinen Betreuungsplatz finden“, meinte eine von ihnen. „Es gibt Eltern, die arbeiten müssen, bevor ihre Kinder drei Jahre alt sind – die werden abgeschoben auf die private Kindergruppe“, zeigte eine andere auf. Und eine Dritte meinte, der dort zu zahlende Preis sei auch nicht für alle Eltern problemlos leistbar.

Aufklärung über die Preisstruktur der privaten Kinderbetreuungseinrichtung „Hopp Hopp Hopp“ lieferte deren Leiterin: 150 Euro kostet die Vormittagsbetreuung monatlich, 250 Euro die Ganztagsbetreuung. Die Nachmittagsbetreuung (16 Euro täglich) werde allerdings nicht angenommen. Dafür drückt der Schuh bei den Eltern offenbar umso mehr, wenn es um die Betreuung von unter Vierjährigen am Vormittag geht. „Warum gibt es bei uns keine öffentliche Kinderbetreuung für 0- bis 3-Jährige? Wir haben genug Räume und Ressourcen, aber die werden nicht genutzt“, sagte eine Zuhörerin.

Und eine Mutter erklärte, wie schwierig es sei, ins Arbeitsleben zurückzukehren. Es gebe kein Arbeitslosengeld, man müsse 20 Stunden die Woche arbeiten. Es seien Schulden zu zahlen und man finde keine Kinderbetreuung. „Wir können uns in den Osterferien die Kinder nicht um den Bauch hängen, wenn wir arbeiten müssen“, sagte sie.

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Rund 20 Kinder stehen bei „Hopp Hopp Hopp“ auf der Warteliste, einige seien noch ungeboren, schilderte die Leiterin. Bürgermeister Günter Fankhauser gab zu, dass es nicht für alle drei- bis vierjährigen Kinder Betreuungsplätze in Mayrhofen gegeben habe. Ab Herbst werde es aber eine fünfte Kindergartengruppe geben, auch Dreijährige könnten dann kostenlos den Kindergarten besuchen. Auch bei „Hopp Hopp Hopp“ soll es ab Herbst statt einer zwei Gruppen geben und das Betreuungsmindestalter auf ein Jahr gesenkt werden, ergänzte GR Roman Eberharter. Neu sei hier auch das Angebot eines Mittagstisches, von dem etliche Mütter Mittwoch zum ersten Mal hörten. Eberharter verwies auch darauf, dass Mayrhofner Volksschulkinder nachmittags in Ramsau betreut werden.

Überrascht über die Probleme der Mütter zeigte sich GR Hans Gasser, der ein Kommunikationsproblem ortete. Es sei wohl Aufgabe der Gemeinde, sich rechtzeitig auf geburtenstärkere Jahrgänge wie 2009 vorzubereiten, meinte Diskussionsleiter TT-Chefredakteur Zenhäusern. Dass Mayrhofen versäumt habe, etwas für Kinder getan zu haben, wollte BM Fankhauser nicht gelten lassen. Die Gemeinde habe die Schule, den Freizeitpark und Kinderspielplätze gebaut, argumentierte er. „Wir haben in die Hardware investiert, aber die Software vernachlässigt“, bilanzierte GR Roman Eberharter. Er will verstärkt das Gespräch mit den Eltern, Lehrern und Betreuern suchen und zeigte sich dankbar für die Anregungen aus dem Publikum.

Die Gemeindevertreter versicherten, dass ab Herbst alle drei- bis sechsjährigen Kinder mit Geburtsdatum vor 1. September 2009 einen Betreuungsplatz in Mayrhofen haben werden.


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