Leiden, Schmerz und Gehorsam

Der Papst kritisierte am Gründonnerstag die Pfarrer-Initiative. Kardinal Schönborn ortet eine „Ermutigung für die Kirche in Österreich“. Helmut Schüller zeigt sich von der Kritik des Papstes „angenehm überrascht“.

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Rom –Christen in der ganzen Welt gedenken heute des Leides und des Todes Jesu Christi. Tausende Christen werden am Karfreitag wieder durch die Altstadt Jerusalems pilgern, um den Leidensweg Jesu nachzuvollziehen. In Spanien ziehen traditionelle Bußprozessionen durch die Städte. In Rom findet der Kreuzweg im Beisein von Papst Benedikt XVI. am Abend beim Kolosseum statt.

Nach dem Neuen Testament wurde Jesus am Karfreitag verurteilt und hingerichtet, um am dritten Tage wieder aufzuerstehen.

Die katholische Kirche kämpft zurzeit mit einem Verlust ihrer Glaubwürdigkeit. Neben Missbrauchsfällen, die die Kirche seit Jahren in ihren Grundfesten erschüttern, werden auch eherne Gesetze der Amtskirche zusehends infrage gestellt. Unter anderem von der Pfarrer-Initiative aus Österreich. Hierzu, zu ihrem „Aufruf zum Ungehorsam“, nahm der Papst am Gründonnerstag Stellung und kritisierte die Initiative (siehe Wortlaut unten). Er verteidigte dabei seine Haltung, dass Frauen nicht Priester werden können.

Der Sprecher der Pfarrer-Initiative, Helmut Schüller, ist über die Kritik des Papstes „angenehm überrascht“. Die Predigt am Gründonnerstag sei zum Teil „sehr sanft“ gewesen, sagte Schüller. Auch mit Sanktionen sei nicht gedroht worden. Schüller freut sich zudem, dass die Pfarrer-Initiative vom Heiligen Stuhl und in der Öffentlichkeit wahrgenommen werde: „Er billigt zu, dass es um die Zukunft der Kirche geht.“ Ebenfalls positiv sei zu werten, dass der Papst von der „Trägheit der Institutionen“ gesprochen habe. Dass der Heilige Vater beim Thema Ungehorsam den Reformern nicht entgegenkomme, sei zudem zu erwarten gewesen.

Für Kardinal Christoph Schönborn geht aus der Predigt des Papstes hervor, wie wichtig dieser die Auseinandersetzung um die Zukunft der Kirche auch in Österreich nehme „und wie genau er die Situation hier kennt“, hieß es in einer Stellungnahme des Wiener Erzbischofs. In „sehr differenzierter und nachdenklicher Weise“ habe Benedikt XVI. andererseits die grundsätzliche Problematik jeder Erneuerung angesprochen und der Pfarrer-Initiative in diesem Zusammenhang ein paar sehr ernste Fragen gestellt.

Die kritische Pfarrer-Initiative will unter anderem Laien predigen lassen und die Kommunion auch Geschiedenen und Ausgetretenen spenden. Neben in der katholischen Kirche ausdrücklich Verbotenem wollen die Priester in Zukunft auch in jedem Gottesdienst eine Fürbitte für die Kirchenreform sprechen.

Die Pfarrer-Initiative vernetzt sich indes weiter auf internationaler Ebene. Man sei unter anderem in Kontakt mit Initiativen aus Deutschland, der Slowakei, Frankreich, den USA und Irland, so Schüller.

Mit der traditionellen Fußwaschung fand am Abend des Gründonnerstags der erste Höhepunkt der Osterfeierlichkeiten statt. Der Papst reinigte bei einem Gottesdienst in der römischen Lateranbasilika zwölf Priestern die Füße, wie laut biblischer Überlieferung Jesus beim Letzten Abendmahl seinen Jüngern.

In seiner Predigt prangerte der Papst den Hochmut als „das eigentliche Wesen der Sünde“ an. Die Kollekte des Abendmahlgottesdienstes kommt diesmal syrischen Flüchtlingen zugute.

„Wenn der Mensch gegen Gott steht, steht er gegen seine Wahrheit und wird daher nicht frei, sondern entfremdet“, warnte der Papst in dem Abendmahlgottesdienst. Gott erscheine dabei als Gegensatz unserer Freiheit. Von ihm müssten wir uns befreien – so denke der nur noch dem eigenen Willen folgende Mensch. „Dies ist die grundlegende Rebellion, die unsere Geschichte durchzieht und die grundlegende Lüge, die unser Leben verfälscht“, sagte Benedikt vor der Zeremonie der Fußwaschung.

Bei der Gründonnerstagsmesse weihte der Papst die in der Liturgie verwandten Heiligen Öle und erneuerte zusammen mit dem Klerus das priesterliche Treueversprechen. Heute steht der traditionelle Kreuzweg am Kolosseum an. Höhepunkt der Osterfeiern ist die Messe zur Osternacht. Am Ostersonntag erteilt der Papst auf dem Petersplatz seinen Segen „Urbi et orbi“.

In Jerusalem rechnen die Behörden für Karfreitag mit einer hohen Beteiligung an der Prozession durch die Via Dolorosa, den Leidensweg Jesu.

(dpa, APA, TT)


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