Brandanschlag auf Jusos-Raum offenbar aus den eigenen Reihen

In der Vorwoche machten die Jusos auf einen Brandanschlag in ihren Vereinsräumlichkeiten aufmerksam. Jetzt stellte sich heraus, dass der Brand selbst gelegt worden sein dürfte.

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Innsbruck – „Rechtsextremer Brandanschlag auf sozialistische Jugendorganisation“: Mit diesem Titel schickte die rote Jugendorganisation „Jusos“ am Wochenende eine Presseaussendung aus, um auf einen Brandanschlag in ihren Vereinsräumen in den Viaduktbögen aufmerksam zu machen.

Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass die angeblichen politischen Motive hinter dem Anschlag gar nicht zutrafen. Denn der Täter war selbst Jusos-Mitglied.

Angeblich mehrere Einbrüche

Die Jusos hatten in der Aussendung berichtet, dass es zu mehreren Einbrüchen gekommen war. Demnach hätten sich die unbekannten Täter durch ein eingeschlagenes Fenster Zutritt verschafft und den gesamten Raum verwüstet. Plakate sollen von den Wänden gerissen und angezündet worden sein. An ihre Stelle hätten die Täter Dutzende Hakenkreuze geschmiert, hieß es in der Aussendung.

Die Täter sollen bei einem neuerlichen Einbruch auch Sofas angezündet haben, die unmittelbar neben zwei schlafenden Studenten standen. Ein 18-Jähriger erlitt dadurch eine Rauchgasvergiftung, eine 17-Jährige wurde leicht verletzt.

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Entsetzen nach „Anschlag“

Marko Miloradovic, Kandidat der Sozialisten für den Gemeinderat, fand dazu in einem Brief an die TT-Redaktion klare Worte der Verurteilung für den Brandanschlag. Er sprach sogar von „versuchtem Mord“, „sozusagen als Kirsche auf den Schlag des Vandalismus und der Wiederbetätigung.“

Jene Vorarlbergerin, die bei dem Brand verletzt worden war, erzählte im Interview mit der Vorarlberger Zeitung „Wann & Wo“ über die Ereignisse in der Nacht. „Während wir schliefen, schlichen sich die Täter in die Räumlichkeiten und setzten das Sofa, neben das wir uns hingelegt hatten, in Brand. Nachdem uns eine unbekannte Person mit einem Warnruf geweckt hatte, bemerkten wir, in welcher Gefahr wir uns befanden.“

Die 17-Jährige zeigte sich schockiert über die Vorfälle. Sie habe „nie gedacht, dass die Täter soweit gehen, dass sie Menschenleben aufs Spiel setzen.“ Es könne nicht sein, dass sie aufgrund ihrer politischen Einstellung Angst um ihr Leben haben müsse.

Opfer stellte sich als Täter heraus

Wie sich jetzt herausstellte, hat diese Angst aber niemand geringerer verursacht als ihr eigener Freund, der bei dem angeblichen Anschlag eine Rauchgasvergiftung erlitten hatte. Die Polizei gab am Donnerstag bekannt, dass der 18-Jährige sich bei den Vernehmungen in Widersprüche verwickelt hatte und schließlich eingestehen musste, dass er die Brände selbst gelegt hatte. Als Motiv gab er an, dass er höhere mediale Aufmerksamkeit für geplante Presseaussendungen erhalten wolle. Die 17-Jährige habe seinen Aussagen zufolge nichts mit der Sache zu tun – er habe allein gehandelt.

Verantwortliche distanzieren sich

Auf Nachfrage reagieren die Verantwortlichen verhalten. Luca Tschiderer, Vorsitzender der Jungen Sozialisten in Tirol, wollte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern, weil sie intern noch nicht bestätigt, bzw. geklärt worden seien. „Ich sage nur soviel: Wenn es tatsächlich so gewesen sein sollte, dann ist das unglaublich und wir distanzieren uns klar davon. Das ist nicht unsere Art, Politik zu betreiben.“

Sophia Reisecker, Jungkandidatin der Sozialisten für den Gemeinderat, wies die Vorwürfe unterdessen strikt zurück: „Selbstverständlich herrschen in unserem Vereinslokal keine klinischen Sauberkeitszustände, aber ich bin mir absolut sicher, dass niemand von uns für die Verwüstungen verantwortlich ist. Niemand von uns würde Hakenkreuze an die Wand schmieren, das Fenster einschlagen, Plakate reißen und anzünden, Heizkörper aus dem Obergeschoss werfen, Regale umwerfen, Materialien und Bücher unter Wasser setzen.“

Anzeige bei Staatsanwaltschaft

Die Tiroler SPÖ, die die Räumlichkeiten angemietet hat, meldete sich nur kurz zu Wort. In einer offiziellen Stellungnahme teilte SPÖ-Landesgeschäftsführerin Christine Mayr, am Donnerstag mit, dass die Vorfälle „intern“ geklärt werden würden. Bis auf Weiteres sei das Lokal jetzt geschlossen. Mehr wolle sie nicht dazu sagen. „Es ist jetzt Sache der Behörden, den Fall aufzuklären.“

Diese Behörden sind nach dem Geständnis des Aktivisten aber längst aktiv geworden. Der 18-Jährige wird bei der Staatsanwaltschaft wegen Brandstiftung angezeigt. (rena)


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