Enthafteter Gürtelboss an keine Auflagen gebunden

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Nach der vom Wiener Oberlandesgericht (OLG) angeordneten Enthaftung des mutmaßlichen Wiener Rotlicht-Bosses Richard St. ist die groteske Situation eingetreten, dass es vom Goodwill des 41-Jährigen abhängt, ob er sich dem gegen ihn anhängigen Strafverfahren stellt. Theoretisch könnte der Mann, gegen den die Staatsanwaltschaft Wien eine „Mafia-Anklage“ eingebracht hat, jederzeit das Land verlassen.

„Die Enthaftung wurde an keine Auflagen gebunden“, bestätigte der Sprecher des Wiener Straflandesgerichts, Christian Gneist, der APA. Der Reisepass und der Führerschein des Rotlicht-Capos befinden sich dem Vernehmen nach zwar noch in der gerichtlichen Depositenstelle, „aber er kann sie sich jederzeit abholen“, so Gneist gegenüber der APA.

Da es der Justiz nicht gelungen ist, innerhalb seiner zweijährigen U-Haft gegen Richard St. eine Hauptverhandlung zu eröffnen, wurde dieser gestern, Mittwoch, vom OLG gemäß § 178 Strafprozessordnung (StPO) auf freien Fuß gesetzt: Selbst ein einer schweren Straftat Verdächtiger darf ohne Prozess nicht länger als zwei Jahre in U-Haft genommen werden. Im Fall von Richard St. steht noch nicht einmal ein Prozesstermin fest.

„Natürlich ist das unangenehm“, räumte der Sprecher der Wiener Oberstaatsanwaltschaft (OStA), Peter Gildemeister, am Donnerstag gegenüber der APA ein. Es sei allerdings nicht der erste Fall, dass ein U-Häftling nach Ablauf der Zwei-Jahres-Frist auf freien Fuß gesetzt wird: „Das kommt immer wieder vor. In 98 Prozent aller Fälle ist diese Frist kein Problem. Aber es gibt Verfahren im Bereich der Organisierten Kriminalität, wo es manchmal eng wird.“


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