Carey, John & Co. lieben den Tiroler Höhenrausch

Es ist das Beverly Hills der Alpen: In Ischgl geben sich seit Jahren die singenden Stars die Klinke in die Hand. Stars, die mitunter nicht einfach sind.

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Von Kathrin Waldner

Ischgl –Der Gast ist bekanntlich König. Und wenn es sich dabei dann auch noch um noch weltbekannte Goldkehlchen handelt, dann sogar Kaiser. Kaiser, die mitunter aber gar nicht so einfach zu händeln sind ...

Ob Tina Turner, Bob Dylan oder die Scissor Sisters – Ischgl hatte sie alle. Mit Tim Bendzko, Aura Dione und Mariah Carey, reihen sich im April noch drei weitere Stars in die illustre „Who is Who“-Liste der Idalpe ein. Zur Freude der Tiroler Fans – haben singende Stars und Sternchen den Tourismusort nämlich schon vor geraumer Zeit als außergewöhnliche Konzertdestination für sich entdeckt.

Noch außergewöhnlicher sind aber die Marotten und Extrawünsche, welche die prominenten Damen und Herren so haben. Einer, der davon passenderweise auch ein Liedchen singen kann, ist Eventmanager Peter Reiner vom Tourismusverband Paznaun-Ischgl. Seit 1994 lädt er Künstler nach Ischgl ein und kümmert sich dann vor Ort um deren kleinere und größere Sorgen – was mitunter nicht leicht ist, wie er sich schmunzelnd erinnert. „Mein erster Star war gleich Urgestein Elton John.“ Am Abend vor dessen Auftritt wollte dessen Tourmanager unbedingt noch einen Teppich für jenen Container, der später als eine Art Backstagebereich für den Sänger auf der Idalp dienen sollte. Was tun zu später Stund‘? „Ich klapperte alle Hotels nach Teppichen ab und nahm schließlich auch noch meine blauen Badvorleger als kleine Auswahl mit.“ Letztere gefielen besonders und wurden schließlich für Johns hochgelegenen VIP-Bereich auserkoren. Einen Bereich, den der eher kleinere Sänger einst übrigens mittels Huckepack erreichte. „Sein Tourmanager musste ihn tragen, wollte er doch vor fremden Leute nicht selbst zu Fuß gehen.“ Abgesehen von diesen kleinen „Aufregern“ sei John aber sehr pflegeleicht gewesen – wie übrigens die meisten großen Stars. „Die Promis, die wirklich lange im Geschäft sind, sind nicht sonderlich kompliziert“, so Reiner. Ob Lionel Richie oder auch Kylie Minogue – sie alle sind „einfach nur sympathisch“. Jene, die von „0 auf 100 berühmt wurden, sind da wesentlich anspruchsvoller“. Ob sich diese These auch bei Weltstar Mariah Carey (die angeblich mit Ehemann und ihren Zwillingen nach Ischgl anreisen will) bewahrheiten wird? Man wird sehen – bis jetzt habe man ihren so genannten „Technical Rider“, ein Dokument, das die Wünsche des jeweiligen Stars enthält, noch nicht bekommen. Gespannt darauf sei man aber auf jeden Fall. „Man hört von ihr ja die wildesten Geschichten. Von Welpen in der Garderobe bis zur Tatsache, dass alles in Weiß sein muss – wir lassen uns überraschen. So schnell kann mich aber nichts mehr aus der Ruhe bringen.“ Dafür hat er in all den Jahren ja auch zur Genüge erlebt. So wollte Alanis Morissette beispielsweise Hundespielzeug in ihrem Backstage-Bereich haben: „Einzig ihr Hund kam damals dann doch nicht mit.“ Rod Stewart wiederum wünschte sich 20 Lederfußbälle, um sie beim späteren Konzert in die Menge zu schießen.

Doch auch in Sachen Verpflegung pochen die meisten auf ihren Star-Status. „Derzeit muss einfach alles bio und fettfrei sein.“ Trotzdem könne man mit guter österreichischer Küche bei vielen punkten. „Manche sind schon bei einem Wiener Schnitzel glücklich.“ In Sachen Getränke wünschen sich viele hingegen das berühmte Fiji Spring water. „Wir können sie dann aber doch von unserem Tiroler Wasser überzeugen.“ Einzig Anastasia, die überhaupt ein wenig schwierig gewesen sein soll, beharrte auf einem ganz speziellen Karottensaft ...

Doch abgesehen von kulinarischen Wünschen brachten so einige Stars den Eventmanager aber auch anderweitig ins Schwitzen – und das im wahrsten Sinne des Wortes. „Als Rihanna einst zu Gast war, wollte sie am Abend noch ein bisschen feiern“, erinnert sich Reiner. Kurzum begleitete man sie in eine Disco und fungierte dort – als der Bodyguard irgendwann dann doch ein wenig überfordert war – als Personenschützer. Bei Mel C musste der Eventmanager hingegen als Jogging-Begleiter herhalten. Beizeiten wechselt man auch noch ins Skilehrer-Metier – wollen doch einige Promis, wie Sting, Punk und Leona Lewis, im Anschluss an das Konzert noch einen kurzen Skiurlaub machen.

Ein Job, der es aber auch abseits von Extrawünschen in sich hat. So ist es gar nicht so einfach, einen Star in die Alpen zu holen – muss doch der Konzerttermin in den meist ohnehin dicht gedrängten Terminplan der Stars passen. Von der Höhe der Gagen, über die man erwartunsgemäß nicht spricht, einmal abgesehen. Nur so viel dazu: „Die Gagen haben sich seit 1995 um 400 Prozent erhöht“, verrät der Eventmanager. Dass es sich dabei also nicht gerade um Hungerlöhne handelt, die man den Stars zahlt, versteht sich also von selbst – von der Zukunft träumen, ist aber weiterhin drin. „Da ich selbst eher auf der rockigen Schiene fahre, würde ich gern einmal die Red Hot Chili Peppers, U2 oder gar die Rolling Stones nach Ischgl holen.“ Und das würde dann natürlich auch die Fans freuen.


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