Der Wilderer und der Kaiser

Stans – Dass Prominente zur Jagd eingeladen werden, ist nichts Neues und hat offensichtlich Tradition. Der Beweis: der Jagdsaal in Schloss T...

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Stans –Dass Prominente zur Jagd eingeladen werden, ist nichts Neues und hat offensichtlich Tradition. Der Beweis: der Jagdsaal in Schloss Tratzberg. Dort wurde nämlich so eine Jagdeinladung künstlerisch festgehalten.

Eine fast lebensgroße Holzskulptur zeigt den damaligen Schlossherren Franz Graf Enzenberg, wie er im Jahre 1848 mit dem späteren Kaiser Franz Josef I. dem Weidwerk frönt. Der Jagdsaal, der neben den anderen Prunkräumen (Fuggerstube, Habsburgersaal, Königinnenstube, Schlosskapelle, Waffensaal …) bei den täglichen Führungen besichtigt werden kann, ist auch anderweitig eine Besonderheit. Der Raum mit seiner aus dem Jahr 1510 stammenden Balkendecke diente einst als Speisesaal und besticht durch besonders naturnahe Skulpturen heimischer Wildtiere. Der Schöpfer hat sich nämlich bestens ausgekannt in der heimischen Fauna – er war ein notorischer Wilderer. Die Rede ist von Toni Steger aus Achenkirch. Der unverbesserliche Haudegen saß wegen seines gesetzwidrigen Hobbys längere Zeit im Gefängnis und dort wurde angeblich seine kreative Ader entdeckt. Wie auch immer – Franz Graf Enzenberg, der damalige Besitzer des Schlosses, nutzte die künstlerischen Fähigkeiten Toni Stegers und nahm diesen für mehrere Jahre in seine Dienste.

Statt Wild zu schießen, konnte der Achentaler nun ab 1850 solches schnitzen. Fast in Lebensgröße wohlgemerkt. Der Saal birgt übrigens noch eine Sehenswürdigkeit: eine Geheimtreppe, die von den Privaträumen Kaiser Maximilians durch diesen Saal ins Freie führte. (hö)

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