Von Träumen und Tränen: Jordi Savall gastierte bei Osterklang

Wien (APA) - Während in den anderen Kirchen zum Gründonnerstag die Glocken verklungen und durch die hölzernen Ratschen ersetzt worden sind, ...

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Wien (APA) - Während in den anderen Kirchen zum Gründonnerstag die Glocken verklungen und durch die hölzernen Ratschen ersetzt worden sind, wurde in der Minoritenkirche gestern Abend ein stilles Fest gefeiert: Jordi Savall, der wichtigste Virtuose der Viola da Gamba, bat zur Andacht im Rahmen des Osterklang-Festivals. „Des reves et des pleurs“ - von Träumen und Tränen erzählte er auf seiner siebensaitigen Gambe, von der Erinnerung an seine im Herbst verstorbene Frau Montserrat Figueras und von der tiefen, lebensbejahenden Innerlichkeit der Trauermusik.

Wegen ihrer besonderen Stimmung, in der Einkehr und liturgische Spannung aufs Konzertpodium vor dem Altar konzentriert wird, veranstaltet das Theater an der Wien schon länger einen Teil des österlichen Klangreigens in der Minoritenkirche. Jordi Savall ist allein, mit seinem niedrigen Hocker, seiner Gambe aus 1697, seiner Notenmappe, zwei warmen Lichtkegeln. Hinter ihm der verhüllte Gekreuzigte, vor ihm die Stille von Hunderten. Das Konzert ist nicht lang und von Savall, dem Musikwissenschafter und wesentlichen Wiederentdecker der alten Musik, in ein genaues Konzept gegossen.

„In fünf Kapiteln“ lässt er die Viola da Gamba erklingen, fünf Kapitel aus der Blütezeit der Gambenkomposition am Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts. Marin Marais, Monsieur de Sainte-Colombe, Johann Sebastian Bach und einige mehr: Nach der „Invocation“ erklärt er, was ihn heute Abend so zur Andacht treibt. Monserrat Figueras, seine Ehefrau seit 1968, „meine Geliebte, meine Muse, die Mutter meiner Kinder“ und als gefeierte Barocksopranistin mit ihm Gründerin mehrerer hochkarätiger Ensembles, starb im Herbst an ihrer Krebserkrankung. „Sie ist nicht mehr hier“, sagt Savall. Und dann sagt die Gambe noch viel mehr.

Das siebensaitige Instrument macht Staunen, seine herbe, zarte, leise und überschwängliche klangliche Breite. Die Saiten werden gezupft, getrommelt und mit dem Bogen gestrichen, rutschen in die Tiefe mit dem energischen Aufstrich Savalls, der dabei stets Professor und Priester in einem ist. Meditation und Feierstunde, in jedem Fall österliche Besinnlichkeit vom allerfeinsten war dieser Solobesuch des spanischen Großmeisters. Als Zugabe spielte er rauschend Keltisches - ein fast schmerzlicher Bruch in der Atmosphäre. Als wolle er sich selbst nicht in Trauer aus dem Abend entlassen.

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(S E R V I C E - http://www.theater-wien.at)


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