Gnadenfrist für den Polylog

Er ist neun Meter hoch und teilt Wörgl: Der Polylog sollte entfernt werden, nach Protesten hat er eine Gnadenfrist erhalten.

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Von Wolfgang Otter

Wörgl –Das Medienkunstwerk Polylog des bekannten Künstlers Prof. Christian Möller fristet in der Wörgler Bahnhofstraße an und für sich ein eher wenig beachtetes Dasein. Schon lange ist nichts mehr auf dem Display zu sehen, über das eigentlich Grußbotschaften laufen sollen. Die Stille um das vor rund zehn Jahren aufgestellte Kunstwerk hat sich in der jüngsten Gemeinderatssitzung schlagartig geändert (die TT berichtete). Dort wurde bekannt, dass der Stadtrat dem Besitzer – den Stadtwerken – freie Hand zum Abtragen der Säule gegeben hat.

BM Hedi Wechner (SPÖ), die dem Aussehen des Polylogs nichts abgewinnen kann, hatte das Thema auf Anfrage der Stadtwerke auf den Tisch gebracht. Jetzt scheint sich aber noch einmal ein Meinungsumschwung in der Gemeindestube abzuzeichnen. Die Grünen und die Bürgermeisterliste (VP) haben einen Antrag auf Erhaltung der Säule eingebracht und stoßen dabei bei Kulturreferent Johannes Puchleitner (VP) auf offene Ohren. Immerhin wollte er in unmittelbarer Nähe des Kunstwerks (ehemalige Drechslerei Riedmann) neu angepachtete Ausstellungsräume der Stadt auf „Stadtgalerie am Polylog“ taufen. Fast wäre ihm aber die Säule abhanden­gekommen. „Aber natürlich muss der Polylog auch aktiviert werden“, spricht Puchleitner den Umstand an, dass schon lange keine Meldungen mehr über das Display laufen. Denn genau das wäre der Sinn: ein freies Kommunizieren in der Stadt.

Verwunderung über den Antrag gibt es jetzt bei Bürgermeisterin Hedi Wechner: „Bei den Grünen war mir klar, dass sie ihn einbringen, aber über die Bürgermeisterliste bin ich erstaunt. Deren beide Stadtratsmitglieder waren ja auch für die Beseitigung.“ „Es hat sich eine ganz andere Sachlage ergeben“, erklärt dazu Vizebürgermeisterin Evelin Treichl (VP). So habe es zuerst geheißen, die Säule sei kaputt. Erst später habe sie erfahren, dass die Reparatur „um 1500 Euro möglich sein soll“. Wechner hätte lieber einen Brunnen an der Stelle des Polylogs plätschern gesehen, wird aber nun die Empfehlung des Kulturausschusses und Entscheidung des Gemeinderats abwarten.


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