Beim Inhalt wird kräftig geschummelt

Viele Hersteller täuschen bei der Verpackungsmenge und kassieren damit versteckt ab. AK Tirol fordert Neuregelung der „Luftpackungen“.

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Von Max Strozzi

Innsbruck –Süßigkeiten, abgepackte Wurst, Wein, aber auch Motoröle oder Waschmittel: Bei den tatsächlichen Mengenangaben werden Konsumenten immer noch kräftig an der Nase herumgeführt. Im vergangenen Jahr haben österreichische Eichämter in knapp 17 % der Süßwarenverpackungen die Füllmenge beanstandet. In knapp jeder sechsten Verpackung war also deutlich weniger Inhalt als angegeben, die Toleranzgrenze wurde dabei bereits berücksichtigt. Bei Wurstprodukten waren 13 % der Packungen unterfüllt, bei Wein wurde in 8 % der Fälle geschummelt. Spitzenreiter unter den Mogelpackungen war die Produktgruppe Mineralöle und Brennstoffe, wozu beispielsweise Motoröl zählt (Anm.: Sprit zählt nicht zu dieser Gruppe). Hier war fast jede fünfte Packung (19 %) unterfüllt. Diese Zahlen gehen aus der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage des SPÖ-Konsumentensprechers Johann Maier hervor. „Un­terfüllungen sind schlichtweg Betrug am Kunden“, kritisiert Maier. „Wenn es elektronische Abfüllanlagen gibt, dann kann mir niemand erklären, warum es zu systematischer Unterfüllung kommt. Und wenn etwa Joghurtbecher nur um 3 Millimeter weniger befüllt werden, bedeutet das bei Millionen von Bechern einen enormen Gewinn für die Konzerne“, schildert Maier. Die aufgedeckten Fälle von Unterfüllung seien allerdings gegenüber den vergangenen Jahren gesunken.

„Seit der Aufhebung der Verpackungsverordnung hat sich die Situation verschlechtert“, kritisiert der Tiroler AK-Konsumentenschutzexperte Andreas Oberlechner. „Vor allem bei Waschmitteln und Toilettenartikeln wie etwa Zahnpasta steigen die Beschwerden.“ Bei Waschmittelverpackungen etwa bliebe oft der Preis zwar der gleiche, die Anzahl der möglichen Waschgänge aber sinke. „Unterm Strich ist das eine Preiserhöhung“, so Oberlechner. Seit 2009 dürfen Hersteller ihre Verpackungsgrößen frei wählen, was Kunden den Vergleich erschwert. „Oft besteht auch der Inhalt zu 50 % aus Luft“, kritisiert Oberlechner. Die AK fordert eine Neuregelung: „Der Mindestpackungsinhalt müsste per Verordnung geregelt werden, mit maximal einem Drittel Luft in einer Packung.“

Um besser vergleichen zu können, sollten Kunden auf den Grundpreis achten, also etwa den Preis pro Kilogramm oder Liter, rät er. 2011 wurden in Tirol 101 Betriebe wegen Verstoßes gegen die Preisauszeichnung abgemahnt, es gab 4 Organmandate, ein Verwaltungsstrafverfahren. 8 Betriebe haben gegen die Grundpreisauszeichnung verstoßen. Insgesamt gingen aber die Kontrollen zurück: 2009 wurden in Tirol 2184 Betriebe kontrolliert, im Vorjahr nur 1653.


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