Geschwister in Südspanien seit einem halbem Jahr verschwunden

Madrid (APA/dpa) - Seit sechs Monaten sucht die Polizei in Südspanien nach zwei kleinen Kindern. Der Vater will die sechsjährige Ruth und de...

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Madrid (APA/dpa) - Seit sechs Monaten sucht die Polizei in Südspanien nach zwei kleinen Kindern. Der Vater will die sechsjährige Ruth und den zwei Jahre alten Jose in einem Park aus den Augen verloren haben. Die Ermittler glauben ihm nicht. In mehreren Städten wurden unzählige Plakate aufgehängt mit der Aufforderung, bei der Suche nach den Kindern zu helfen. Tausende beteiligten sich an Kundgebungen und setzten ihre Hoffnung darauf, dass das Geschwisterpaar rasch nach Hause zurückkehrt - aber vergebens.

Auch die Polizei steht vor einem Rätsel. Am Ostersonntag ist es genau sechs Monate her, dass der Vater die Kinder als vermisst gemeldet hatte. Der Fall mag an das Verschwinden des britischen Mädchens Madeleine McCann in Südportugal erinnern, das mittlerweile fast fünf Jahre zurückliegt. Aber er unterscheidet sich vom „Fall Maddie“ vor allem in einen Punkt: Die Ermittler in Spanien haben einen Tatverdächtigen.

Dies ist der Vater von Ruth und Jose. Der 38-Jährige, der von der Mutter der Kinder getrennt lebte, hatte die Kleinen vor einem halben Jahr an einem Wochenende wie gewohnt zu sich nach Cordoba geholt. Am 8. Oktober 2011 alarmierte er die Polizei in der südspanischen Metropole. Er habe die Kinder zum Spielen in einen Park mitgenommen und dort aus den Augen verloren, als er nach seinem Auto geschaut habe, berichtete er den Beamten.

Die Ermittler machte es jedoch stutzig, dass der Mann bei seinen Vernehmungen stets kühl und gelassen blieb. Es ließ sich auch kein Augenzeuge finden, der den Vater mit den Kindern im Park gesehen hatte. Anrufe vom Handy deuteten darauf hin, dass er zu jener Zeit nicht im Park war. Zwei Wochen später ordnete der Ermittlungsrichter die Einweisung des Mannes in Untersuchungshaft an.

Der offizielle Vorwurf lautet „Verdacht der Freiheitsberaubung“, aber in Wirklichkeit gehen die Beamten wohl eher davon aus, dass die Kinder möglicherweise nicht mehr am Leben sind. Sie ließen mit Tauchern die Ufer des Flusses Guadalquivir absuchen und untersuchten mit Spezialgeräten das Erdreich in einer Orangen- und Olivenplantage, die dem Vater des Verdächtigen gehört. Der 38-Jährige - ein arbeitsloser Kraftfahrer, der als Soldat zeitweise in Bosnien-Herzegowina stationiert gewesen war - sitzt noch immer in U-Haft. Von seiner Version, wonach die Kinder im Park verloren gingen, rückte er nicht einen Deut ab.

Die Mutter von Ruth und Jose hat kaum noch Hoffnung, ihre Kinder lebend wiederzusehen. „Ich glaube nicht mehr an ein gutes Ende“, sagte sie der Zeitung „El Mundo“. „Mein Mann soll mir die Kinder zurückgeben, ob tot oder lebendig. Ich will, dass die Ungewissheit ein Ende hat.“ Sie hatte vor dem Verschwinden der Kinder dem 38-Jährigen offenbart, dass sie sich von ihm scheiden lassen wollte. Nun ist sie sich - ebenso wie die Polizei - sicher, dass allein ihr Mann weiß, was mit dem Mädchen und dem Buben geschah.

Die Frau hat längst ihre anfängliche Zurückhaltung aufgegeben. Sie nimmt an Kundgebungen teil und gibt Interviews, in denen sie ihren Mann offen beschuldigt, für das Verschwinden der Kinder verantwortlich zu sein. Der Anwalt des Verdächtigen betont demgegenüber, dass gegen den Vater keine Beweise vorlägen und der Mann zu Unrecht in U-Haft sitze.


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