Opfer von Djerba-Attentat warten noch immer auf Entschädigung

Paris (APA/dpa) - Zehn Jahre nach dem blutigen Al-Kaida-Attentat auf der tunesischen Ferieninsel Djerba warten 21 deutsche Opfer noch immer ...

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Paris (APA/dpa) - Zehn Jahre nach dem blutigen Al-Kaida-Attentat auf der tunesischen Ferieninsel Djerba warten 21 deutsche Opfer noch immer auf ihnen zugesprochene Schadensersatzzahlungen. Sowohl Deutschland als auch Frankreich weigerten sich, für die 2010 von einem Pariser Schwurgericht bewilligten Ansprüche aufzukommen, sagte Anwältin Judith Adam-Caumeil. Insgesamt sei noch eine Summe von knapp 1,7 Millionen Euro offen.

Um die Zahlungen durchzusetzen, haben die Deutschen nun den staatlichen französischen Garantiefonds für Terroropfer verklagt. Dieser springt ein, wenn die Verursacher von Schäden selbst nicht zahlen können und entschädigte bereits die französischen Opfer. Juristisch gesehen müsse der Fonds auch für die deutschen Forderungen aufkommen, kommentierte die Pariser Juristin. Die Bundesregierung habe bislang darauf hingewiesen, dass sie für Schadenersatzurteile aus anderen Ländern nicht zuständig sei.

Die Ansprüche der deutschen Überlebenden und Angehörigen von Todesopfern waren im Zuge des Prozesses gegen den Duisburger Christian Ganczarski bewilligt worden. Ihn verurteilte das Pariser Gericht bereits 2009 zu 18 Jahren Haft. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass er als Al-Kaida-Mitglied an der Planung des Selbstmordanschlags beteiligt war. Bei der Explosion eines mit Flüssiggas beladenen Kleinlasters an der Synagoge La Ghriba waren am 11. April 2002 insgesamt 21 Menschen ums Leben gekommen, unter ihnen 14 deutsche Touristen. Die französische Justiz hatte die Ermittlungen aufgenommen, weil bei dem Anschlag auch zwei Franzosen starben.

Die letzten Hoffnungen der Deutschen ruhen nun auf dem Landgericht in Creteil bei Paris. Es wird sich voraussichtlich noch vor der Sommerpause mit der Klage gegen den Garantiefonds beschäftigen. „Das Geld wurde von einem Pariser Gericht zugesprochen. Unserer Meinung nach darf es keine Diskriminierung geben“, sagte Adam-Caumeil.

Enttäuscht zeigte sich die Anwältin über das Verhalten der deutschen Justiz, die trotz schriftlicher Zusagen bisher keine Stellungnahme zu dem Fall abgegeben habe. „Ich habe das Gefühl, die Bundesregierung versucht, den Fall auszusitzen“, kommentierte sie.


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