Kampf gegen Ausdünnung wird gerade aufgenommen

Ländliche Regionen stehen vor einem großen Wandel. Das Forum Land will Strategien gegen eine schleichende Entsiedelung aufzeigen.

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Von Helmut Mittermayr

Reutte –Der Bacher Bürgermeister Egon Brandhofer wurde gerade zum Außerferner Bezirks­obmann einer Organisation gewählt, die viele gar nicht kennen. Das Forum Land ist eine erst vor wenigen Jahren gegründete Sektion des Bauernbundes, die sich der Erhaltung des Lebensraumes am Land verschrieben hat. Bei der Bestellung Brandhofers im Gasthof Mohren in Reutte gab Bundesrat Georg Keuschnigg als Tirolobmann von Forum Land dramatische Prognosen der Statistik Aus­tria für den Bezirk Reutte bekannt. „Während die Gesamtbevölkerung im Außerfern in den nächsten 25 Jahren noch leicht um 3,9 Prozent zunimmt, wird ein Rückgang der erwerbstätigen Bevölkerung von 9,3 Prozent bis 2035 erwartet“, sagte Keuschnigg. In einzelnen Talschaften werde der Wert bei weit über zehn Prozent liegen.

Damit würden auf Gemeinden und Bewohner in diesen ländlichen Gebieten gleichermaßen große Herausforderungen zukommen, denen man dringend begegnen müsse. Einzig der Tiroler Zentralraum der Inntalfurche könne noch auf Wachstum hoffen. „Wir müssen in der Lage sein, uns die tägliche Daseinsvorsorge noch zu leisten“, deponiert auch Magnus Gratl, Öffentlichkeitsarbeiter beim Forum Land.

„Weniger Einwohner bedeuten weniger Finanzmittel. Die Infrastruktur ist aber doppelt so teuer wie in urbanen Gebieten. Wir müssen öffentliche Gelder stärker aufs Land lenken und politisch eine Benachteiligung der Dörfer verhindern“, fordert Egon Brandhofer. Der Lechtaler Bürgermeister ist auch Talschaftstourismusobmann, er weiß, wo der Schuh drückt. Etwa bei der Stromversorgung. Das Netz in seiner Gemeinde sei zu schwach. Man könne nicht alle 50 Meter eine Trafostation einschieben, sondern brauche ein Gesamtkonzept. Brandhofer plädiert unter anderem für eine weniger rigide Vorgangsweise bei den Sozialversicherungen, um grenznahe Kliniken in Bayern – wie Murnau oder Enzensberg – noch stärker, etwa für Therapien, nutzen zu können.

Für Keuschnigg ist die Glasfaserausrollung ein bezeichnendes Thema: „Eine gute Internetanbindung bis ins letzte Tal hat auch mit Lebensqualität zu tun. Heute ist jeder online, privat und beruflich. Wenn wir nicht politischen Druck erzeugen, dann wird rund um die Städte, wo viele Abnehmer sind, noch stärker ausgebaut. Entlegene Regionen gehen leer aus.“ Solche Wettbewerbsnachteile müssen politisch verändert werden, ist Keuschnigg überzeugt. „Ist hingegen eine gute Infrastruktur vor Ort und wird eine entsprechende Lebensqualität geboten, dann baut der Private dort sein Haus oder Gewerbebetriebe siedeln sich an“, schließt er.


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