Rewe-Chef: Keine Preisabsprachen, aber „Grauzone“ bei Kommunikation

Wien (APA) - Der Chef des größten Handelskonzerns Rewe (Adeg, Billa, Bipa, Merkur, Penny), Frank Hensel, hat Absprachen mit Lieferanten und ...

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Wien (APA) - Der Chef des größten Handelskonzerns Rewe (Adeg, Billa, Bipa, Merkur, Penny), Frank Hensel, hat Absprachen mit Lieferanten und Mitbewerbern dezidiert ausgeschlossen. Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) hatte Ende Februar wegen des Verdachts von „horizontalen und vertikalen“ Preisabsprachen in der Rewe-Zentrale in Wiener Neudorf Hausdurchsuchungen durchgeführt. Absprachen seien im Lebensmittelhandel „nahezu unmöglich, weil wir über zehntausende Preise sprechen und nicht wie vielleicht in anderen Branchen über 10 oder 12 Produkte“, sagte Hensel am Freitag im Ö1-Wirtschaftsmagazin „Saldo“ des ORF-Radio.

Der Rewe-Chef wünscht sich aber „mehr verbindliche Regelungen“, wie die Industrie und der Handel miteinander kommunizieren dürfen. Hier gebe es rechtlich eine „gewisse Grauzone“. Inbesondere das Aktionsgeschäft müsse man mit Lieferanten abstimmen. „Wenn ein großes Unternehmen wie die Rewe in Österreich eine Aktion plant, dann hat das natürlich Einfluss auf den Produktionsprozess“, betonte Hensel. Man wolle verhindern, dass die Ware dann nicht geliefert werden kann. „Man muss in gewisser Weise reden, was wir vorhaben. So geht es allen Marktteilnehmern“. Daraus könnte man interpretieren, dass man sich abspricht. „Ich sehe das nicht so“, betonte der Rewe-Boss. Es sei „zwangsweise notwendig“, damit der Kunde die Artikel bekommt.

Zwischen 27. Februar und 6. März hatten die österreichischen Wettbewerbshüter bei Rewe-International wegen des Verdachts von Preisabsprachen mit Lieferanten und Mitbewerbern Geschäftsunterlagen vor Ort gesichtet und kopiert. Vier Wäschekörbe mit Unterlagen, einige Computer-Festplatten und etliche Gigabyte an Daten wurden von der BWB mitgenommen. Rewe hatte daraufhin die Versiegelung aller Dokumente beantragt. Nun muss das Kartellgericht Wien über die Freigabe der Unterlagen entscheiden. Ein Ergebnis der Razzien liegt dem Rewe-Chef noch nicht vor. Er wisse auch nicht, welche Unterlagen beim Kartellgericht vorliegen und „welche Beschuldigungen die BWB daraus ableitet“.

Die hohe Konzentration im österreichischen Lebensmittelhandel sieht Hensel nicht kritisch. Die drei „großen“ am Markt - Rewe, Spar und Hofer - kamen 2011 bereits auf einen Anteil von 84,9 Prozent (nach 82,3 Prozent). „Ich kann keinen Nachteil für die Konsumenten erkennen“, betonte er. Bei weniger Mitbewerbern gebe es einen „intensiveren Wettbewerb“. Den Lebensmittelhändlern wird oftmals vorgeworfen zu starken Preisdruck auf die Hersteller auszuüben. Die Beziehungen zu Lieferanten sei „nicht immer konfliktfrei“, hier habe sich aber „sehr viel getan“, betonte Hensel.

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Als „große Herausforderung“ bezeichnete der Rewe-Chef in Zukunft die „richtigen Mitarbeiter“ zu finden. Etwa in der Lehrlingsausbildung müsse man „neue Konzepte entwickeln“. Rewe will nun verstärkt in die Weiterbildung investieren: Mitarbeiter könnten nun Zusatzqualifikationen erwerben. Das haben „wir früher nicht gemacht“, erklärte der Rewe-Chef. Mit dem Klischee der schlecht bezahlten Billa-Verkäuferin wollte Hensel aufräumen. „Das ist nicht so.“ Rewe zahle nach Kollektivvertrag und habe eine „Reihe von Anreizsystemen“. Die KV-Gehälter im Handel seien generell „nicht so hoch“, wie etwa in der IT.


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