Alemagna und Transit nehmen Tirol in die Zange

In der Verkehrspolitik herrscht wieder einmal Eiszeit mit Italien. Politik übt harsche Kritik an Plänen für Weiterbau der Alemagna-Autobahn.

  • Artikel
  • Diskussion

Von Peter Nindler

Innsbruck –Tirol wird wieder einmal in die Verkehrszange genommen: Wie berichtet, wurden am Brenner in den ersten drei Monaten 19.606 Lkw mehr gezählt (+4,55 Prozent) als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Gleichzeitig verzeichnete die Rollende Landstraße auf der Brennerachse einen massiven Einbruch von 25 Prozent. Während das Verkehrswachstum am Brenner auch durch die Aufhebung des sektoralen Lkw-Fahrverbots ungebremst weitergeht, droht Osttirol jetzt Teil einer neuen Transitader vom Süden in den Norden zu werden. Denn die italienische Regierung hat sich für den Weiterbau der A 27, der Alemagna-Autobahn, von Belluno in Richtung Osttiroler Grenze ausgesprochen.

1,4 Milliarden Euro sollen in das 23 Kilometer lange Teilstück investiert werden, mit einer Bauzeit von vier Jahren wird gerechnet. Auch wenn die Alemagna jahrelang als Phantom bezeichnet wurde, mit dem beabsichtigten Weiterbau steigt der Verkehrsdruck auf das Osttiroler Pustertal, weil für Urlauber aus Deutschland die Strecke durchs Pustertal nach Toblach, Cortina, Belluno und weiter an die Adria noch attraktiver wird.

Diese Befürchtung teilt die Tiroler Landespolitik. Verkehrslandesrat Bernhard Tilg (VP) warnt vor zusätzlichen Belastungen. „Mit dem Brenner ist Tirol ohnehin schon die Hauptschlagader des Transits zwischen Nord und Süd – sowohl für den Pkw- als auch für den Lkw-Verkehr. Eine zusätzliche Hauptverkehrsader innerhalb weniger hundert Kilometer ist nicht akzeptabel.“

Auch wenn Italien das Verkehrsprotokoll der Alpenkonvention im Gegensatz zu Österreich noch nicht unterzeichnet hat, glaubt Tilg, dass sich Italien indirekt daran halten müsste. „Die Alpenkonvention sieht vor, dass keine neuen alpenquerenden Straßen gebaut werden – das muss wohl auch für neue Teilabschnitte gelten.“

3x Weber-Grill und 10x Just Spices Gewürzbox zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

LA Fritz Gurgiser vom Transitforum sieht Europa bereits am Rand der verkehrspolitischen Steinzeit. „Was in Italien geschieht, passt einfach nicht zusammen. Einerseits wird nichts unternommen, um das Transitwachstum auf dem italienischen Abschnitt der Brennerautobahn mit Mauterhöhungen einzudämmen, andererseits plant die Regierung mit dem Weiterbau der Alemagna eine neue Transitachse.“ Das seien Signale in die falsche Richtung. „Letztlich führt alles zu einer Rückverlagerung des Schwerverkehrs von der Schiene auf die Straße.“

In die Pflicht nimmt Gurgiser wegen der Alemagna-Pläne Alpenkonventionschef Marco Onida. „Er hat seine zentrale Aufgabe leider nicht erledigt, weil Italien und die Schweiz das Verkehrsprotokoll noch nicht unterzeichnet haben.“ Diese Kritik müsse sich Onida gefallen lassen.


Kommentieren