Das Volk der Tuareg - Berbernomaden in der Sahara

Wien/Berlin (APA/dpa/AFP) - Den Tuareg (Einzahl Targi) ist es am Freitag gelungen, gemeinsam mit islamistischen Kämpfern den Norden Malis fü...

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Wien/Berlin (APA/dpa/AFP) - Den Tuareg (Einzahl Targi) ist es am Freitag gelungen, gemeinsam mit islamistischen Kämpfern den Norden Malis für unabhängig zu erklären. Das hellhäutige Berbervolk im Nordwesten Afrikas zählt in etwa 1,5 Millionen Menschen, nach Eigenangaben sogar bis zu drei Millionen. Die Tuareg stammen von den libyschen Berbern ab und leben seit Jahrhunderten im Gebiet der heutigen Staaten Mali, Marokko, Algerien, Libyen, Burkina Faso und Mauretanien.

Bekannt sind die Kamel-Nomaden unter anderem wegen ihrer traditionellen Verschleierung mit indigoblauen Tüchern, die in der Wüste vor Sonne und Sand schützen. Ihre Bewaffnung mit langen Schwertern brachte den Tuareg zusammen mit ihren Reitkamelen schnell den Ruf als „Ritter der Wüste“ ein.

Schon die ersten Begegnungen der Tuareg mit den europäischen Kolonialtruppen fielen oft kriegerisch aus, weil die Nomaden um ihre Unabhängigkeit fürchteten. Vor der Kolonialzeit dominierten sie den Handel durch die Sahara. Die Tuareg herrschten über ein großes Wüstenreich, bis sie 1902 von französischen Kolonialtruppen vernichtend geschlagen wurden. Auch in den vergangenen Jahren kam es in der Region immer wieder zu Aufständen der Tuareg, die sich zunehmend in ihrer nomadischen Lebensweise eingeschränkt fühlen.

Heute gibt es bis zu 1,5 Millionen Tuareg, rund 600.000 in Niger, gut 300.000 in Mali sowie jeweils mehrere zehntausend in Algerien, Libyen, Burkina Faso und Mauretanien. Die nördlichen Tuareg halten als Wüstennomaden an ihrem traditionellen Kastensystem fest. Drei Viertel des Volkes leben als Süd-Tuareg in der Sahelzone.

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In den 1980er Jahre verließen viele infolge einer Dürre Mali. Als sie zurückkehrten, führten sie Krieg gegen die Regierungstruppen. Nach langen Verhandlungen wurden die Tuareg in Malis Armee integriert. Auch Libyens Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi rekrutierte Tuareg für seine Streitkräfte. Nach seinem Sturz und Tod schlossen sich viele von ihnen Aufständischen im unsicheren Grenzgebiet von Mali zu Niger und Algerien an.

Ein Streit zwischen Regierung und Armee über ein härteres Vorgehen gegen das Nomadenvolk war der Auslöser für den jüngsten Militärputsch in dem westafrikanischen Land. Die Tuareg verbündeten sich daraufhin mit islamistischen Kämpfern und starteten eine Offensive. Inzwischen beherrschen sie weite Teile Nord-Malis, das sie als Tuareg-Staat Azawad abspalten wollen. Unter anderem gehört dazu auch die Oasenstadt Timbuktu, deren historische Stätten zum Weltkulturerbe der UNESCO zählen.


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