40 Tage durchgehalten

Keine Schokolade, kein Bier, kein Streit. Morgen endet die Fastenzeit. Zwei Familien aus Götzens, die 40 Tage lang auf vieles verzichtet haben, ziehen ein Resümee.

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Von Nicole Unger

Götzens –Schokolade. Allein beim Gedanken daran könnte Johanna Oberhöller dahinschmelzen. Genau aus diesem Grund hat die bekennende Naschkatze nun 40 Tage lang – von Aschermittwoch bis Karsamstag – auf die süße Verführung verzichtet.

Den Weg durch die Fastenzeit ist die dreifache Mutter nicht alleine gegangen. Gemeinsam mit ihren Töchtern Julia (9) und Rita (7) nahm die 33-jährige Götznerin an der „Aktion Verzicht“ vom Katholischen Familienverband teil. Während sich die Mama vornahm, sechs Wochen lang einen großen Bogen um die Süßigkeitenlade in der Küche zu machen, entschloss sich Julia dazu, friedlich mit ihrer Schwester zu sein, und Rita wollte immer die Wahrheit sagen. „Wir haben die Vorsätze für die Mädels bewusst positiv formuliert und nicht gesagt, die Mädchen sollen auf Streit oder Lügen verzichten“, erzählt Oberhöller von der ausgeklügelten Strategie.

Wie fleißig die drei Götzner Damen waren, zeigt ein Plakat, das an der Küchentür hängt. Auf dem Bild abgebildet ist eine Landschaft mit einem Wanderweg. Für jeden Tag des Verzichts darf man ein „Fleißpickerl“ in Form eines kleinen Fußes auf den Weg kleben. Am vorletzten Fastentag fehlen nur noch wenige Fußspuren für den Endspurt ins Ziel, zeigt uns Julia.

Am wenigsten Pickerl hat die Mama gesammelt, verrät die Viertklässlerin. Die Schokolade-Lust habe ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Wer morgens ein Nutella-Semmerl isst, für den gibt es eben auch kein Pickerl“, gibt die junge Mutter ihre Ausrutscher schuldbewusst zu. Am fleißigsten war Rita, die jüngste von allen. „Allerdings war es schwer zu kontrollieren, ob sie auch immer die Wahrheit sagt“, lacht Oberhöller. Auch Julia hat ihr Bestes gegeben. Obwohl es sich nicht immer als einfach erwies, mit der kleinen Schwester ganz lieb zu sein. „Manchmal bricht es einfach aus einem raus“, seufzt die Neunjährige.

Dass morgen die Fastenzeit vorbei ist, freut vor allem die Mama. „Die Schokolade liegt schon bereit. Das wird ein Geschmackserlebnis“, schwärmt der Schokoholic. Papa Alfred und Bruder Leo haben übrigens erst gar nicht angefangen zu fasten. Leo, weil er mit einem Jahr zu klein ist, und der Papa, „weil der sowieso so brav ist“, scherzt Alfred Obermüller, der sehr stolz auf sein Dreimäderlhaus ist.

Stolz ist auch die Familie Kaserer, die in Götzens nur ein paar Häuser weiter wohnt. Auch sie hat die Fastenzeit dazu genutzt, das eigene Durchhaltevermögen zu testen und Verhaltensmuster aufzubrechen. Ihre Fastenerfolge wurden in einem eigenen „Verzichtschein“ dokumentiert.

Genau wie Johanna Oberhöller hat Ricarda Kaserer im Rahmen der „Aktion Verzicht“ die Schokolade weggelassen. „Weil ich sie einfach gerne habe und sie ein Luxusgut ist“, begründet sie ihre Entscheidung. Schließlich solle man auf das verzichten, was man mag. Außerdem habe sie bewusst mehr gelobt und dafür weniger genörgelt.

Sechs Wochen lang kein Tropfen Alkohol hieß es wiederum bei Ehemann Werner und Sohn Daniel. Die beiden Männer, die gerne hin und wieder ein kleines Bierchen „zwitschern“, wollten ihrem Körper etwas Gutes tun und hielten tapfer durch. Für Daniel, der mit seinen 20 Jahren Mitglied von einigen Vereinen ist und ab und zu ausgeht, war es nicht immer einfach, den Verlockungen zu widerstehen. „‚Geh trink doch oans‘, hieß es immer wieder von den Kollegen“, erzählt der junge Mann. Doch Daniels Beharrlichkeit hat sich rentiert. Drei bis vier Kilo haben sich seit Aschermittwoch im wahrsten Sinne verflüssigt. Und auch bei seiner Schoko-abstinenten Mama geht der Hosenknopf nun besser zu, verrät sie.

„Das Fasten ist immer wieder eine Herausforderung, aber eine schöne Erfahrung, die Bewusstsein schafft“, erklärt Ricarda Kaserer, die genau wie der Rest der Familie jedes Jahr aufs Neue einen jährlichen Bremstest des Konsumverhaltens durchzieht. Im Nachhinein überwiege immer die Freude, etwas geschafft zu haben, erzählt die Götznerin.

Die Schokolade und das Bier schmecken nach einer Zeit des Verzichts umso besser. Und das Geld, das sich die Familie in der Fastenzeit gespart hat, wird für karitative Zwecke gespendet. Verzichten heißt eben auch gewinnen.


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