Italien im Würgegriff der Krise, Bürger können immer weniger sparen

Rom (APA) - Italienische Familien und Unternehmen bekommen die Krise hart zu spüren. Die Sparquote der Bürger ist 2011 auf 12 Prozent gesunk...

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Rom (APA) - Italienische Familien und Unternehmen bekommen die Krise hart zu spüren. Die Sparquote der Bürger ist 2011 auf 12 Prozent gesunken, 0,7 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Das ist der niedrigste Stand seit 1995, ergab eine Studie des Statistikamts Istat. Im vierten Quartal 2011 betrug die Sparquote der Italiener 12,1 Prozent, das waren 0,3 Prozentpunkte mehr gegenüber dem Vorquartal, aber 0,8 Prozentpunkte weniger als im Vergleichsquartal 2010.

Auch die Kaufkraft der Italiener ist rückgängig. Sie sank im vergangenen Jahr um 0,5 Prozent, da das Durchschnittseinkommen weniger als die Inflation gestiegen ist. Der Konsumentenschutzverband Codacons berechnete, dass der Kaufkraftrückgang für die italienischen Familien einen Verlust von 172 Euro bedeutet. Dabei war die Kaufkraft der Italiener bereits 2010 um 0,6 Prozent und 2009 um 3,1 Prozent zurückgegangen.

„Seit 2002 verlieren die italienischen Familien an Kaufkraft, ohne dass die Regierung etwas dagegen tut. Italien braucht dringend Maßnahmen zur Konsumförderung, will das Land nicht noch tiefer in die Rezession schlittern“, so Codacons. Allein 2012 werden die Familien infolge des höheren Steuerdrucks sowie der höheren Strom-und Gasrechnungen für zusätzliche Ausgaben in Höhe von 1.979 Euro aufkommen müssen, schätzt Codacons. In diesem Umfeld habe sich die Kluft zwischen reichen und einkommenschwachen Familien vertieft. „Für die Einkommenschwachen bedeutet der Kaufkraftrückgang eine doppelt so hohe Belastung wie für wohlhabende Familien“, so der Konsumentenschutzverband.

Auch die Unternehmen stöhnen im Würgegriff der Rezession. Der Anteil der Nicht-Finanzgesellschaften in Italien an den Gesamtgewinnen ist im vergangenen Jahr um 1,1 Prozent auf 40,4 Prozent gesunken. Das ist der niedrigste Stand seit 1995. Im vierten Quartal 2011, als sich das Wirtschaftsumfeld unter dem Druck der akuten Schuldenkrise noch mehr verschlechterte, sei der Gewinnanteil auf 40,3 Prozent gesunken, was einem Minus von 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal und von 0,9 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2010 entspricht, teilte das Statistikamt Istat gestern mit.

Die Investitionsquote der Unternehmen sank 2011 um 0,1 Prozent auf 22,3 Prozent. Im letzten Quartal 2011 betrug sie lediglich 21,8 Prozent. Die sinkende Investitionsrate sei unter anderem den Schwierigkeiten beim Zugang zu Krediten zuzuschreiben, erklärten Experten. Die Chefin des Industriellenverbands Confindustria, Emma Marcegaglia, warnte vor der Gefahr einer akuten Kreditklemme in Italien. Die Situation sei für die Unternehmen besorgniserregend.


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