Windstrom macht Netzmanagement schwieriger - APG

Wien (APA) - Der Ausbau der Windstromerzeugung in Nordeuropa und die zentrale Lage Österreichs im Zentrum des Kontinents machen das Manageme...

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Wien (APA) - Der Ausbau der Windstromerzeugung in Nordeuropa und die zentrale Lage Österreichs im Zentrum des Kontinents machen das Management des heimischen Stromübertragungsnetzes zunehmend schwerer. Der Übertragungsnetzbetreiber Austrian Power Grid AG (APG) hat im vergangenen Jahr 2.500 Mal stabilisierend in das Übertragungsnetz eingreifen müssen, 50,6 Stunden lang stand ihr Warnsystem auf gelb (kritische Situation) und 4,5 Stunden auf rot (sehr kritische Netzsituation). Dies sagte Heinz Kaupa, Chef der mittlerweile organisatorisch vom Mutterkonzern getrennten Verbund-Netztochter. Nachdem Ende 2011 das Management der bisher separaten Regelzone Vorarlberg dazugekommen ist, ist die APG im März als (einziger) „Unabhängiger Übertragungsnetzbetreiber“ (ITO) Österreichs zertifiziert worden.

In den ersten beiden Monaten 2012 habe es in Österreich zwei kritische Situationen gegeben, die die Netze an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit geführt hätten, sagte Kaupa. Beide hatten mit starken Nord-Südflüssen aus dem Windkraftgebiet im Norden Europas zu tun. An einem kalten Tag im Februar wurden 6.200 Megawatt (MW) importiert, ein historischer Höchstwert bei den Einfuhrmengen. Zum Vergleich: An einem solchen Wintertag benötigt Österreich etwa 9.000 Megawatt Strom. Die Einfuhr an diesem Tag belief sich damit auf zwei Drittel des Bedarfs. Und am 28. März entstand nach einem Wetterumschwung viel Windstrom, der zu einer unerwarteten „aktuellen Stress-Situation“ im deutschen Netz führte.

„Das hat auch für uns das Risiko erhöht“, erklärte Kaupa. Die Situation sei aber beherrschbar gewesen, die Gefahren-Ampel habe nicht einmal auf gelb geschaltet. Die APG, die sowohl den Stromtransit als auch die Versorgung der lokalen Verteilungsnetze managen muss, hat keine technischen Möglichkeiten zu viel Strom umzuleiten, kann aber beispielsweise den Intraday-Handel einschränken, so Kaupa.

Sowohl zu viel als auch zu wenig Elektrizität führt zu veränderten Frequenzen, die ihrerseits automatische Abschaltungen auslösen können. Beides gefährdet damit potenziell die Stabilität des Netzes. Ein ähnliches Managementproblem wie bei Wind gebe es grundsätzlich auch in jenen Gebieten, wo viel Photovoltaik installiert sei: „Wenn sich der Morgennebel hebt, sind dann gleich einige Tausend MW mehr auf dem Netz“, schilderte der APG-Manager. Die Sonnenstrom-Spitzen müssten eher die Betreiber der regionalen Verteilnetze bewältigen.

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„Wenn sich die installierte Windkraftkapazität in Norddeutschland wie geplant verdreifacht, wird das für die Übertragungsnetze kein kleines Problem.“ Es gebe keine Patentlösung dafür, aber mehrere Ansätze - beispielsweise Gleichstromnetze für die Übertragung der dezentralen Stromproduktion in entfernte Ballungszentren oder die Methanisierung vor Ort. Während der Ausbau der erneuerbaren Energien speziell in Deutschland schnell gehe, halte der dafür notwendige Leitungsbau nicht Schritt, meinte Kaupa: „Es gibt auch hier ein Europa der zwei Geschwindigkeiten.“

In Österreich will die APG bis 2020 2 Mrd. Euro in das Netz stecken, die Hälfte in Leitungen, die andere Hälfte in Umspann-Anlagen. Etliches sei bereits für zusätzlichen Windstrom aus dem Nordburgenland geflossen, viel müsse noch investiert werden, um die geplanten neuen Kapazitäten im Weinviertel einspeisen zu können. Für Ostösterreich habe die APG noch 150 Mio. Euro Investitionen vorgesehen. Der umkämpfte zweite Abschnitt der Salzburgleitung soll Mitte des Jahres zur UVP eingereicht werden, die Trasse stehe fest, sagte Kaupa.


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