11.541 leere Sessel - Sarajevo erinnert an Beginn des Bosnien-Krieges

Sarajevo (APA) - Sarajevo hat am Freitag den 20. Jahrestag des Beginns des Bosnien-Krieges (1992-1995) und der 1.425-tägigen bosnisch-serbis...

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Sarajevo (APA) - Sarajevo hat am Freitag den 20. Jahrestag des Beginns des Bosnien-Krieges (1992-1995) und der 1.425-tägigen bosnisch-serbischen Belagerung der Hauptstadt erinnert. Zum ersten Mal seit dem Kriegsende wurde der Kriegsopfer in Sarajevo im Rahmen einer ganztägigen Performance gedacht. An die 11.541 Menschen - darunter 643 Kinder - die durch die 44-monatige Belagerung ihr Leben verloren - erinnerten rote Plastiksessel. Sie wurden im Stadtzentrum vom „Ewigen Feuer“, einem Denkmal an die Kriegsopfer des Zweiten Weltkrieges, bis hin zur Ali-Pascha-Moschee in gut 800 Reihen aufgestellt. Ihre Gesamtlänge von gut 800 Meter veranschaulichte den dramatischen Verlust der Stadt mit derzeit etwa 300.000 Einwohnern.

Das vom Regisseur Haris Pasovic unter dem Motto „Die Rote Linie von Sarajevo“ vorbereitete Programm soll bis spät in den Abend an alle jene Menschen erinnern, die „nicht mehr da sind“. Zwischen den Sesseln in Normalgröße, an denen Passanten schon am Vormittag Blumen niedergelegten, befanden sich kleinere Sessel, die die getöteten Kinder symbolisieren sollen.

Um 14.00 Uhr ist ein Konzert geplant, das das Publikum vom Gehsteig an beiden Seiten der leeren Sessel her verfolgen kann. Zum Abschluss des Festaktes wird ein aus 750 Schulkindern den Song „Give Peace a Chance“ von John Lennon zum Besten geben.

Aus Kostengründen wurden die Sessel bei einem serbischen Unternehmen in Stara Pazova bei Belgrad gekauft, erläuterte der stellvertretende Bürgermeister Miroslav Zivanovic. Die Entscheidung könnte aber auch eine andere Bedeutung. Laut früheren Meinungsumfragen wissen nämlich rund 30 Prozent der Bürger Serbiens gar nicht, wie lange Sarajevo belagert wurde, weitere 20 Prozent glauben demnach nicht, dass es während des Bosnien-Krieges überhaupt eine Belagerung der bosnischen Hauptstadt gegeben hatte. Die roten Sessel boten am Freitag jedenfalls ein prägendes Bild.


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