11.541 leere Sessel 2 - Bildt sieht Entwicklung Bosniens optimistisch

17 Jahre nach dem Kriegsende ist Bosnien weiterhin ein an ethnischen Linien tief gespaltener Staat. Durch das Dayton-Friedensabkommen wurde ...

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17 Jahre nach dem Kriegsende ist Bosnien weiterhin ein an ethnischen Linien tief gespaltener Staat. Durch das Dayton-Friedensabkommen wurde dem brutalen Krieg, in dem rund 100.000 Menschen ums Leben kamen, Ende 1995 zwar ein Ende gesetzt, zu einem funktionierenden Staat ist Bosnien dadurch aber nicht geworden. Nicht zuletzt auch wegen der komplizierten Staatsstruktur. Die zwei Landesteile - die Bosniakisch-Kroatische Föderation und die Serbische Republik - sind praktisch weiterhin zwei Staaten im Staat. Die gesamtstaatlichen Institutionen sind schwach. Einer Verfassungsreform widersetzen sich seit Jahren vor allem die bosnischen Serben.

Der erste Hohe Repräsentant in Sarajevo, Carl Bildt, sieht dennoch Grund für Optimismus. In den letzten sechs Monaten hätten bosnische Politiker gezeigt, dass sie auch ohne die Hilfe internationaler Akteure Schritte nach vorne machen könnten. Auch seien neuerdings einige Beschlüsse, die lange Zeit nicht gefasst werden konnten, angenommen worden und würden umgesetzt, meinte Bildt bei seinem Besuch in Sarajevo anlässlich des heutigen Jahrestages.

Vor 20 Jahren habe nicht der Krieg in Bosnien-Herzegowina, sondern gegen Bosnien-Herzegowina begonnen, stellte der frühere slowenische Präsident Milan Kucan anlässlich des Jahrestages fest. Er ist der einzige noch lebende Präsident der einstigen jugoslawischen Teilrepubliken. Der Krieg habe später einige Merkmale eines ethnischen Konfliktes erhalten. Im Grunde habe er aber auf einer nicht umgesetzten Vereinbarung zwischen den Präsidenten Serbiens und Kroatiens, Slobodan Milosevic und Franjo Tudjman, über die Aufteilung Bosnien-Herzegowinas beruht, so Kucan gegenüber der Tageszeitung „Dnevni avaz“.

Während der 44-monatigen Belagerung schlugen in Sarajevo im Schnitt 329 Granaten von bosnisch-serbischen Positionen ein. Die Artilleriewaffen wurden den Serben von den Mitte Mai 1992 nach Serbien abziehenden restjugoslawischen (serbisch-montenegrinischen) Truppen zurückgelassen. Die bosnisch-serbischen Offiziere bezogen ihren Sold den ganzen Krieg hindurch aus Serbien. Den tragischsten Rekord erlebte Sarajevo am 22. Juli 1993, als 3.777 Granaten abgefeuert wurden. In anhaltender Beschießung wurden mehr als 50.000 Personen verletzt, an die 35.000 Häuser wurden zerstört, darunter auch Krankenhäuser, staatliche Institutionen und Kulturdenkmäler.

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Der verlustreichste Granateinschlag ereignete sich am 5. Februar 1994. Eine Mörsergranate schlug in den überfüllten Markale-Marktplatz und tötete 68 Menschen, 144 wurden verletzt. Anderthalb Jahre später, am 28. August 1995, schlugen fünf Mörsergranaten auf dem gleichen Markt ein und töteten 37 Menschen, 90 weitere wurden verletzt. In einer Warteschlange für Brot in der zentral gelegenen Vase-Miskina-Straße kamen gleich zum Kriegsbeginn - am 27. Mai 1992 - 22 Menschen ums Leben, rund 60 weitere wurden schwer verletzt. Von bosnischen Serben wurde die Verantwortung für die schwersten Mörserangriffe immer wieder bestritten und bosniakischen (muslimischen) Truppen zugeschrieben.

Mit einer Kundgebung an der „Brücke von Suade und Olga“ gedachten am Freitag junge Friedensaktivisten der zwei ersten Kriegsopfer in Sarajevo. Die 23-jährige Bosniakin Suada Dilberic und die 34-jährige Kroatin Olga Sucic wurden an der damaligen Vrbanja-Brücke über Miljacka am 5. April 1992 von einem serbischen Heckenschützen erschossen. Bei bosnischen Serben gilt ein Angriff auf einen Hochzeitsgast, der sich in Sarajevo einen Monat zuvor ereignete, weiterhin als eigentlicher Kriegsbeginn.


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