Cooler Onkel, schlechtes Vorbild

Zu viel Alkohol und zu viel ungesundes Essen. Die Figuren von jenen TV-Serien, die bei jungen Menschen besonders beliebt sind, leben äußerst ungesund. Und sie sind damit ein schlechtes Ernährungsvorbild.

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Von Christian Willim

Innsbruck –Wenn Charlie Harper die Finger nicht gerade an einer Frau hat, hält er ein Glas in der Hand. Und das ist in der Regel hochprozentig gefüllt. „Mein cooler Onkel Charlie“ ist ein Trinker. Die TV-Serie gilt als einer der Hits beim ORF-Publikum im Alter von 12 bis 29 Jahren. Insgesamt elf Serien, auf die das zutrifft, hat die Kommunikationswissenschafterin und angehende Diätologin Marlene Schöpf unter die Lupe genommen. Die Grazerin wollte wissen, wie Ernährung in diesen fiktiven Welten thematisiert wird. „Es gibt Studien, die belegen: Je höher der Fernsehkonsum, desto höher das Übergewicht der Zuseher.“

Dass das bewegungsarme Leben als Couchpotato nicht gerade einen schlanken Fuß macht, liegt auf der Hand. „Es gibt aber auch verschiedenste Theorien, wie sich Medien auf das Verhalten auswirken können“, erklärt Schöpf den Hintergrund ihrer Studie, die sie kürzlich beim Ernährungskongress der Diätologen in Wien präsentierte.

Die Ergebnisse sind besorgniserregend. In den Serien spielen vorrangig Lebensmittel eine Rolle, die im echten Leben nur sehr sparsam zum Einsatz kommen sollten. „Man muss nicht die perfekte Ernährung kommunizieren. Aber das Ausmaß an Alkohol, Süßigkeiten und Fastfood, das in diesen Fernsehserien konsumiert wird, ist erschreckend“, so Grubers Resümee.

Besonders perfide an der negativen Vorbildwirkung: Die Serienfiguren nehmen durch ihren Lebenswandel keinen wirklichen Schaden. „Das ist speziell auf Alkohol bezogen herausstechend“, analysiert die Studienautorin. Bestes Beispiel: „Mein cooler Onkel Charlie“. In keiner anderen der untersuchten Jugendserien wird mehr getrunken. „Charlie konsumiert sehr viel Hochprozentiges. Das hat aber kaum Auswirkungen auf seine Gesundheit.“

Da verkörpert Comicfigur Homer („Die Simpsons“) die Realität fast noch besser. „Er isst Burger, mag Donuts und trinkt viel – aber er ist auch fett“, so die Kommunikationswissenschafterin. Eine Überraschung war für sie: „Auch bei den Simpsons sind Alkohol und Süßigkeiten in großem Ausmaß vertreten. Aber nicht so stark wie bei ‚Mein cooler Onkel Charlie‘.“

Viel Alkohol, keine Folgen – das trifft aber nur auf die US-Sitcom zu. „In der Serie ‚Grey‘s Anatomy‘ werden ebenfalls sehr viele Spirituosen getrunken. Dabei wird suggeriert, dass sich die Ärzte am einen Tag die Rübe wegtrinken und am nächsten Tag ganz normal arbeiten können.“ Auf der emotionalen Ebene der Handlung fungiere Alkohol dabei oft als „Seelentröster“. Kein wirklich ideales Rollenvorbild.

Süßigkeiten werden vor allem in den Vorabendserien, also dann wenn die Jüngsten vor den Schirmen sitzen, thematisiert. Sie werden dabei als Snack, Schuljause oder nebenbei gegessen – oft noch dazu im Gehen oder Stehen.

Dass dieses Ernährungsverhalten abfärbt, würde angesichts der Gesundheitsdaten der heimischen Jugend nicht verwundern. 39 Prozent konsumieren täglich Süßigkeiten, Limonaden oder beides. Obst und Gemüse sind bei vielen auf dem Speiseplan nicht vertreten. Fast jeder fünfte Jugendliche ist übergewichtig oder adipös.

Für Marlene Schöpf wäre es angesichts dieser Fakten und der von ihr erhobenen Daten wünschenswert, dass bei der Gestaltung von TV-Serien Ernährungsexperten miteinbezogen werden. Der einzigen von ihr untersuchten Produktion, die in Österreich gedreht wird, stellt sie jedoch ein gutes Zeugnis aus: „SOKO Kitzbühel“. „In der Serie wird sehr viel selbst gekocht und auch in aller Ruhe gegessen.“ Eine Erklärung für diesen positiven Ausreißer hat Gruber auch: „Eine der Nebenfiguren ist ein Koch.“ Vielleicht eine kleine Anregung für Drehbuchschreiber.


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