Der niemals endende Flug: Suchaktion soll Rätsel Amelia Earhart lösen

New York (dpa) - Es ist eines der großen Rätsel der amerikanischen Geschichte: Wo ist Amelia Earhart? In Europa kennen die Pilotin fast nur ...

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New York (dpa) - Es ist eines der großen Rätsel der amerikanischen Geschichte: Wo ist Amelia Earhart? In Europa kennen die Pilotin fast nur Luftfahrtenthusiasten, in den USA ist sie hingegen eine Legende. Das Leben der hübschen Draufgängerin hätte sich kein Drehbuchautor besser ausdenken können - inklusive ihres spurlosen Verschwindens mit Südsee-Exotik und Spionagegerüchten. 75 Jahre nach ihrem mutmaßlichen Verschwinden soll jetzt eine großangelegte Suche das Rätsel lösen.

Die kleine Amelia, 1897 in Atchinson (US-Bundesstaat Kansas) geboren, war schon als kleines Mädchen eine Draufgängerin. So soll sie mit einem Schlitten unter einer fahrenden Kutsche durchgesaust sein. Als sie im Alter von 20 Jahren Verletzte des Weltkriegs pflegte, nahmen sie ein paar mit zum Flugplatz, wo die junge Frau sofort von den zerbrechlichen Apparaten aus Holz und Segeltuch fasziniert war. Zu der Zeit gab es auf der ganzen Welt erst ein Dutzend Pilotinnen. Als sie 1922 ihre Lizenz bekam, war allein das schon eine Schlagzeile wert.

Earhart war 1928 die erste Frau, die den Atlantik überquerte - allerdings eher als Passagierin oder eigentlich weibliches Maskottchen. Sie sei Fracht gewesen, „wie ein Sack Kartoffeln“, sagte sie grimmig. Aber sie war nun eine Nationalheldin. Mit diesem Popularitätsschub konnte sie nicht nur weitere Rekordflüge meistern, wie den ersten Solo-Transatlantikflug einer Frau, der 1932 wegen versagender Ausrüstung und undichtem Tank fast in einer Katastrophe endete. Nein, sie konnte auch öffentlich für die Rechte von Frauen eintreten, weil sie „der männlichen Dominanz überdrüssig“ war.

Als Medienberühmtheit und ständiger Gast im Weißen Haus war sie die Richtige für das letzte Abenteuer der Fliegerei: Einen Flug um die Welt. Nach zahlreichen Zwischenlandungen sollte sie am 4. Juli 1937 wieder auf US-Boden landen. Doch der Unabhängigkeitstag verstrich, ohne das Earhart oder ihr Navigator Fred Noonan auftauchten. Ihre silberne Lockheed „Electra“ blieb verschwunden.

Dutzende Legenden und Verschwörungstheorien ranken sich um den Flug. Hat die 39-Jährige ihren Tod vorgetäuscht, um unterzutauchen? Hat sie auf einer Südseeinsel überlebt? Ist das mysteriöse Kindergrab auf dem Inselchen Nikumaroro das von einem Baby von Earhart und Noonan? Ist eine rätselhafte Flaschenpost von dem Navigator? Oder haben die Japaner die beiden Amerikaner geschnappt, weil sie mit ihrer mit Instrumenten vollgestopften „Electra“ auch spionierten? Schließlich gibt es doch das Luftbild einer „Electra“ in Japan, oder?

In der Tat ist die enge Verbindung des pazifistischen Freigeists Earhart zur US-Regierung vor dem Flug auffällig. Die Navy war immer dabei. Aber das Flugzeug auf dem Foto kann jedes ähnliche Modell sein und bei den guten Beziehungen zwischen Japan und den USA ist ausgeschlossen, dass sich solch ein Geheimnis 75 Jahre hält. Die Flaschenpost gilt als Fälschung, noch dazu als schlechte. Allerdings schließt das nicht aus, dass der Flug doch auch ein Erkundungsflug für Regierungszwecke war.

An der Suche ist jetzt wieder die Marine beteiligt. Geklärt werden soll die Frage, ob die beiden Flieger nach einer Bruchlandung auf Nikumaroro im Südwestpazifik noch lebten und dann ihr Flugzeug weggespült wurde. Auf dem Inselchen wurden alte Flaschen, ein Taschenmesser und auch ein Schminkspiegel gefunden, der in die Zeit des „Electra“-Fluges passt. Starben beide nach Monaten auf der wasserlosen Insel? Oder war es doch das naheliegendste? Dass Earhart, die eine schlechte Navigatorin war, in der Wasserwüste das winzige Inselchen verfehlte und mit leeren Tanks in den Pazifik stürzte?

Ein halbes Jahr nach ihrem Verschwinden erschien ein Buch, zusammengestellt aus ihren Reiseberichten und Telegrammen. Es war bereits lange geplant gewesen. Nur der Titel wurde geändert, von „World Flight“ in „Last Flight“.


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