Prachtbulle aus dem Schwabenland

Die Vorgänger machten die Mercedes M-Klasse zum Millionenseller. Um weiter Erfolgreichster des Segments zu bleiben, setzt das neue Modell umfassende Akzente in Ökonomie und Komfort.

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Von Reinhard Fellner

Innsbruck –Als Mercedes 1997 mit der M-Klasse das erste große SUV eines deutschen Premiumherstellers präsentierte, hatten die Schwaben wohl in erster Linie Verkaufserfolge jenseits des Kontinents vor Augen. Weit gefehlt: Das Konzept der M-Klasse wurde mittlerweile von jedem ernsthaften Konkurrenten kopiert und führte für Daimler zu bislang über 1,2 Millionen verkauften Exemplaren und der Marktführerschaft in ihrem Segment.

Da dürfen die Erwartungen an die jüngste Neuauflage hoch ausfallen. Und werden nicht enttäuscht.

Die neue M-Klasse schlägt ihren Vorgänger in wirklich allen Belangen. Das ruhig gezeichnete und zeitlose Design vermittelt zwar einen mächtigen Auftritt über 4,8 Meter Länge und fast 1,8 Meter Höhe, ist aber eigentlich der kleinste Schritt auf dem Weg zum neuen ML.

Trotz aller Opulenz konnte Mercedes die Effizienz der Baureihe nämlich quer über die Motoren um ein geradezu fantastisches Viertel steigern. Neueste Motortechnologie, Start & Stopp-Systeme, relativ geringes Gewicht und klassenbeste Aerodynamik (cw 0,32) bilden das Sparfundament. Das Resultat ist in der Praxis sofort auszumachen: So fuhr der ML 350 Bluetec zum TT-Test vor und verließ ihn nach 14 Tagen mit einem Durchschnittsverbrauch von gerade 9,8 Litern. Ein Bestwert für so ein SUV mit 258 PS und der Souveränität einstiger Achtzylinder. Die sind angesichts der Leistungsentfaltung dieses Prachtsechsers mit 620 Newtonmetern – er unterbietet schon heute die erst 2014 geltende Schadstoffnorm Euro 6 – ohnehin ausgestorben. So ist der neue ML für die breite Käuferschicht nur noch mit Sechs- und Vierzylindern erhältlich. Einzig der in jeder Hinsicht gigantische ML 63 AMG hält mit einem 525-PS-Achtzylinder die Fahne der puren Verschwendungslust hoch.

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Der über die Siebengangautomatik ungemein bullig agierende Sechszylinder dürfte mit einer Beschleunigung von 7,4 Sekunden auf 100 km/h ansonsten aber auch höchste Ansprüche befriedigen. Die Traktion für solch ein Leistungspotenzial steht jedenfalls jederzeit zur Verfügung. Schon die serienmäßige „4Matic“ bietet ein spezielles Allradprogramm, das Motor, Getriebe und Elektronik an die jeweilige Geländesituation anpasst.

Für exzessive Geländeausritte bietet Daimler für den ML nun für 1980 Euro netto nun aber auch ein Offroad-Paket, das es in sich hat: Sechs Geländeprogramme, ein Kippwinkel von 35 Grad, 60 Zentimeter Wattiefe und dank Luftfederung bis zu 285 Millimeter Bodenfreiheit machen so eine M-Klasse dann wahrlich zum grenzenlosen Vergnügen.

Dieses stellt sich dank der Paradedisziplin der Stuttgarter – dem Komfort – jedoch schon auf der Straße ein.

Der Federungskomfort geriet wirklich beispielhaft und bügelt in Zusammenarbeit mit den üppigen Sitzen selbst gröbere Unebenheiten glatt. Dazu sorgen eine aufwendige Dämmung und der schwäbische Karosseriebau für ein niedriges Innengeräuschniveau. Gerade auf längeren Strecken überzeugt auch die absolut zugfrei agierende Klimaautomatik – ein Detail, das meist viel über die wahre Qualität eines Fahrzeugs aussagt. Diese hat in einigen Innenausstattungsdetails gegenüber dem Vorgänger übrigens etwas abgenommen. So wirkt mancher Schalter und Hebel nicht mehr ganz so robust wie beim Vorgänger. Der Funktionalität tut dies freilich keinen Abbruch. Bei einem Mercedes fällt die Bedienung eben auch ohne Studium der Gebrauchsanweisung leicht. Aber auch für Schweres ist der ML mit 800 Kilogramm Zuladung und 3500 Kilogramm gebremster Anhängelast zu haben. Schon der Normalkofferraum fasst übrigens 690 Liter. Unbedingt empfehlenswert übrigens die elektrische Heckklappe für 540 Euro.

Die fällt bei einem Einstieg von 65.710 Euro ohnehin nicht so sehr ins Gewicht.


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