Tuareg erklären Unabhängigkeit für Norden Malis

Bamako (APA/Reuters/AFP/dpa) - Die Tuareg-Rebellen haben am Freitag die Unabhängigkeit des Nordens von Mali ausgerufen. Ihr neuer demokratis...

  • Artikel
  • Diskussion

Bamako (APA/Reuters/AFP/dpa) - Die Tuareg-Rebellen haben am Freitag die Unabhängigkeit des Nordens von Mali ausgerufen. Ihr neuer demokratischer Staat in Westafrika werde Azawad heißen, teilte die Nationale Befreiungsbewegung von Azawad (MNLA) mit. Sie bat die Internationale Gemeinschaft, ihren Staat unverzüglich anzuerkennen. Die Europäische Union und die Afrikanische Union (AU) erkannten die Unabhängigkeit nicht an. Frankreichs Verteidigungsminister Gerard Longuet bezeichnete den Vorstoß der Tuareg als „sinnlos“.

Der neue Staat solle im Einklang mit den Grundsätzen der Vereinten Nationen stehen, erklärten die Tuareg-Rebellen. Alle Grenzen mit den Nachbarländern würden anerkannt, die MNLA werde alle militärischen Aktionen einstellen.

Frankreich bezeichnete die Unabhängigkeitserklärung umgehend als irrelevant: Longuet sagte in Paris, die einseitige Erklärung habe keine Bedeutung, solange sie nicht von den afrikanischen Staaten anerkannt werde. Zuvor hatte bereits der französische Außenminister Alain Juppe erklärt, Frankreich erkenne die Unabhängigkeit der Azawads nicht an. Einen Militäreinsatz in seiner seit 1960 unabhängigen, ehemaligen Kolonie zieht der Staat aber in Betracht. Gemeinsam mit den Rebellen müsse eine politische Lösung gesucht werden, sagte Juppe.

Auch EU und AU lehnen die von Tuareg-Rebellen ausgerufene Unabhängigkeit für den Norden Malis ab. „Die EU hat in der Krise durchgehend deutlich gemacht, dass sie die territoriale Unversehrtheit Malis respektiert“, erklärte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton in Brüssel. Dennoch werde die EU weiterhin humanitäre Hilfe in bedürftige Gemeinden liefern. Die AU bezeichnete die Unabhängigkeit in einer Aussendung als „nichtig“, sie „habe keinen Wert“.

TT-Geburtstag: Jetzt eine von 76 Torten gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet automatisch.

Erst am Donnerstag hatten die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) in einer zwölfstündigen Sitzung grünes Licht für einen 2.000 Mann starken Militäreinsatz im Norden Malis gegeben. Bereits am Mittwoch hatte der UNO-Sicherheitsrat in New York eine Erklärung verabschiedet, in der unter anderem die Angriffe der Rebellen im Norden des Landes scharf verurteilt und ein Ende der Gewalt gefordert wurde.

Azawad nennen die Tuareg-Rebellen ihre Heimatregion, die sich in Mali vom Westen bis in den Norden erstreckt und auch Teile des nördlichen Niger und des südlichen Algerien umfasst und für deren Unabhängigkeit sie kämpfen. Das über mehrere Staaten verteilte Nomadenvolk der Tuareg hatte in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gewaltsam aufbegehrt. Nun konnten die Rebellen von einem Militärputsch in der Hauptstadt Bamako im Süden des Landes profitieren, wo Offiziere am 22. März einen Staatsstreich gegen Präsident Amadou Toumani Toure angezettelt hatten. Gemeinsam mit der islamistischen Gruppe Ansar Dine gelang es der MNLA innerhalb weniger Tage weite Teile des Nordens unter ihre Kontrolle zu bringen.

Zuletzt hatten sich die Islamisten jedoch von den Tuareg distanziert und ihre vormaligen Verbündeten aus der Stadt Timbuktu vertrieben. Ein Ansar-Dine-Sprecher sagte am Freitag in einer Videobotschaft, seine Gruppierung erkenne die Unabhängigkeitserklärung der Tuareg nicht an. „Wir sind gegen Revolutionen, die nicht im Namen des Islam sind“, sagte der Sprecher. Ziel sei es, das islamische Recht der Scharia zu verhängen. Wegen der Verbindung der Tuareg zu islamistischen Gruppen wird international dennoch ein weiterer unberechenbarer Staat befürchtet.

Menschen- und Hilfsorganisationen warnten angesichts der unsicheren Lage in Mali vor einer humanitären Katastrophe. Seit der Erstürmung durch Tuareg-Rebellen und Islamisten habe es in der Region um die Städte Gao, Kidal und Timbuktu „Tage voller Plünderungen, Entführungen und Chaos“ gegeben, berichtete Amnesty. Laut Oxfam flüchteten bereits mehr als 210.000 Menschen.


Kommentieren