Erholung am US-Arbeitsmarkt verlor im März an Schwung

Washington (APA/Reuters/AFP/dpa) - Die zuletzt spürbare Erholung am US-Arbeitsmarkt ist ins Stocken geraten. Die schwächelnde Wirtschaft sch...

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Washington (APA/Reuters/AFP/dpa) - Die zuletzt spürbare Erholung am US-Arbeitsmarkt ist ins Stocken geraten. Die schwächelnde Wirtschaft schaffte im März mit 120.000 Jobs deutlich weniger neue Stellen als von Experten gehofft. Dies ergaben die jüngsten vom Arbeitsministerium am Freitag veröffentlichten Daten. Experten hatten mit einem Stellenplus von 203.000 gerechnet.

Die Arbeitslosenquote sank zwar leicht auf 8,2 Prozent von 8,3 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit Jänner 2009. Doch der Hauptgrund für die verbesserte Statistik war, dass viele Arbeitslose ihre Jobsuche ganz aufgaben. Die Befragung der Haushalte, auf der die Berechnung der Quote beruht, ergab ebenfalls einen Rückgang der Beschäftigung.

Der Anstieg der Stellen war der schleppendste seit Oktober. Zuletzt war der Eindruck entstanden, die langsam wieder Tritt fassende Wirtschaft bringt immer mehr Amerikaner in Lohn und Brot. Zuletzt waren drei Monate in Folge mehr als 200.000 neue Jobs entstanden. Vor allem im wichtigen Dienstleistungssektor lief es aber weiter schwach: Dort wurden sogar den zweiten Monat in Folge Stellen abgebaut.

Präsident Barack Obama, der sich bei den Wahlen im November um eine zweite Amtszeit bewirbt, begrüßte den Rückgang der Arbeitslosigkeit. „Aber allen Amerikanern ist klar, dass es auf dem Weg noch Höhen und Tiefen geben wird und dass uns noch eine Menge Arbeit bleibt“, sagte er in Washington. Das Weiße Haus erklärte, dass die US-Wirtschaft in den ersten drei Monaten des Jahres für 600.000 neue Jobs gesorgt habe. Der Wirtschaftsberater im Weißen Haus, Gene Sperling, sagte, die Daten zeigten, dass sich die Wirtschaft verbessere, aber eben auch noch ein weiter Weg vor dem Land liege.

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Obamas wahrscheinlicher republikanischer Herausforderer Mitt Romney bezeichnete den Arbeitsmarktbericht als „sehr beunruhigend“. „Nach drei Jahren im Amt gehen Obama die Ausreden aus“, sagte Romney. Mit milliardenschweren Konjunkturprogrammen hatten Obama und seine Demokraten im US-Kongress versucht, die Wirtschaft nach der Finanzkrise wieder in Schwung zu bringen. Die Republikaner sehen hohe Staatsausgaben dagegen als Hindernis für die Privatwirtschaft und prangern die horrende Staatsverschuldung an.

Obama erbte bei seinem Amtsantritt Anfang 2009 die schwerste Wirtschaftskrise seit der großen Depression, in deren Zuge fast neun Millionen Jobs vernichtet worden waren. Seit gut zwei Jahren nimmt die Zahl neuer Stellen zwar ohne Unterlass zu, doch insgesamt wurden erst gut vier Millionen wieder aufgebaut.

Das im März abgeflaute Jobwachstum unterstreicht jüngste Äußerungen des US-Zentralbankchefs Ben Bernanke. Der Vorsitzende der Federal Reserve (Fed) mahnte, dass für eine echte Erholung auf dem Arbeitsmarkt die Konjunktur deutlich anziehen müsse. Dafür mangele es aber an einer starken Verbrauchernachfrage nach Konsumgütern, die etwa 70 Prozent der US-Wirtschaft ausmache. Auch steigende Benzinpreise und die schwelende Finanzkrise in Europa hemmen laut Volkswirten die Konjunktur in den Vereinigten Staaten.

Trotz der Sorgen vor einer bröckelnden Erholung peilt die Fed vorerst keine weiteren Hilfsmaßnahmen an. Aus dem Protokoll ihrer jüngsten Sitzung geht hervor, dass sich die Währungshüter mit weiteren Maßnahmen der geldpolitischen Lockerung bis auf weiteres zurückhalten wollen. Eine Abkehr von der derzeitigen Politik historischer Niedrigzinsen käme aber erst bei einer „signifikanten“ Änderung des wirtschaftlichen Ausblicks nach oben infrage.

Die US-Börsen blieben am Karfreitag geschlossen. Die Futures auf die wichtigen US-Indizes reagierten mit Abschlägen auf die Daten.


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