„Lieber Gott hol‘ mich noch nicht“: Chavez erneut in Kuba

Der linkspopulistische Politiker sagte im Staatsfernsehen, er werde nach Kuba fliegen, um „meinen Kampf um mein Leben und meine Gesundheit fortzusetzen“.

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Caracas - Der krebskranke, venezolanische Präsident Hugo Chavez fliegt am heutigen Samstag zur Fortsetzung seiner Chemotherapie in die kubanische Hauptstadt Havanna. Der linkspopulistische Politiker sagte am Freitag im Staatsfernsehen, er werde nach Kuba fliegen, um „meinen Kampf um mein Leben und meine Gesundheit fortzusetzen“. Er werde sich vor seiner Abreise mit Vizepräsident Elias Jaua, Außenminister Nicolas Maduro und anderen Kabinettsmitgliedern treffen. Chavez hatte sich einige Tage bei seiner Familie im Teilstaat Barinas aufgehalten.

„Lieber Gott, hol‘ mich noch nicht!“

Es wurde erwartet, dass der 57-Jährige rund fünf Wochen zur Behandlung in Havanna bleiben würde, zwischenzeitlich aber wiederholt nach Venezuela zurückkehren werde. Ihm war im März in Kuba ein bösartiger Tumor in der Lendengegend entfernt worden, wo im Jahr zuvor bereits ein Krebsgeschwür entdeckt worden war. Chavez will sich im Oktober zur Wiederwahl stellen. Es wird mit einem harten Wettkampf gegen den 39-jährigen Henrique Capriles gerechnet, der bei einer Vorwahl als gemeinsamer Kandidat der Opposition bestimmt worden war.

Medienberichten zufolge hatte Chavez kurz vor dem Abflug nach Havanna seine Eltern und Geschwister in seinem venezolanischen Heimatstaat Barinas besucht, wo für ihn eine Messe gelesen wurde. Während des Gottesdienstes richtete der als Linksnationalist geltende Präsident mediengerecht ein Stoßgebet in Richtung Himmel: „Lieber Gott, hol‘ mich noch nicht!“

Weiters flehte Chavez laut der spanischen Tageszeitung „El Pais“ vor laufenden TV-Kameras: „Lass mich noch leben, auch wenn es ein schmerzvolles Leben voller Plagen sein sollte. Das ist mir egal. Schenk mir das Leben, weil ich noch viele Dinge für dieses Volk und diese Heimat erledigen muss. Nimm mich noch nicht mit, gib mir dein Kreuz, gib mir deine Dornen, ich bin bereit sie zu tragen, wenn ich am Leben bleibe.“ Seine Mutter und viele weitere Mitglieder der Familie saßen bei dem Gottesdienst in der ersten Reihe. Noch nie habe Chavez seine Angehörigen so in den Mittelpunkt gerückt, analysierte „El Pais“.

Venezolanische Kirchenkreise reagierten auf den Auftritt von Chavez mit Skepsis. In seiner bisherigen Amtszeit galt das Verhältnis des Staatsoberhaupts, der am 7. Oktober bei den Präsidentenwahlen für ein drittes Mandat kandidieren will, zur Kirche als ziemlich angespannt. Der Erzbischof von Caracas, Kardinal Jorge Urosa Sabino, erklärte jedoch: „Es erscheint mir sehr gut, dass der Präsident solche religiöse Empfindungen hat, hoffen wir, dass sie authentisch sind. Der Weg von Jesus Christus ist der Weg der Liebe, dem wir alle folgen sollten, auch ein Bürger wie der Präsident der Republik.“

Laut Wikileaks maximal zwei Jahre

Vor ein paar Jahren hatte Chavez Urosa noch als vom wirklichen Leben abgewandten „Höhlenmenschen“ bezeichnet und betont, dass seine Regierung sehr weit vom katholischen Klerus enfernt stehe. Dem Papst sprach Chavez das Recht ab, sich als „Vertreter von Christus auf Erden“ zu bezeichnen, weil „Christus in Wahrheit durch das Volk verkörpert“ werde, „das für die Gerechtigkeit und die Befreiung der Armen kämpft.“

Hingegen zirkulierten in Caracas zuletzt Gerüchte, wonach sich Regierungskreise in Venezuela massiv darum bemüht hatten, während des jüngsten Papst-Besuchs auf Kuba ein Treffen zwischen Chavez und Benedikt XVI. zu organisieren. Dazu kam es aber nicht.

Die Transparenz-Aktivisten von Wikileaks wollen aus gehackten Mails der Ärzte des venezolanischen Präsidenten wissen, dass der 57-Jährige nur noch maximal zwei Jahren an Lebenszeit zu erwarten hat. Die spanische Zeitung „El Pais“ berichtete unter Berufung auf Wikileaks, dass bei Chavez ein Tumor in der Nähe der Prostata zu wachsen begonnen und sich zum Dickdarm ausgebreitet habe. Inzwischen hätten Krebszellen bereits Lymphknoten und Knochenmark erreicht, was ein so gut wie sicheres Todesurteil bedeuten würde.

Laut Artzt Lebenserwartung bei maximal sieben Monaten

Der venezolanische Arzt Jose Rafael Marquina wies laut der Internet-Plattform „Latina Press“ in einem Interview mit „Radio 10 de la Argentina“ darauf hin, dass Chavez nicht mehr länger als sieben Monate leben wird. Gleichzeitig betonte er, dass das Volk des südamerikanischen Landes von der Regierung bezüglich des tatsächlichen Gesundheitszustandes des Staatspräsidenten getäuscht werde.

Der Krebs sei unheilbar, die Behandlung nicht wirksam, so der in den USA lebende Mediziner. Oppositionsquellen teilten am Freitag mit, dass die Strahlen-Therapie auf Kuba versagt habe und der Körper dvon Chavez stark geschwächt sei. Der an der der Neuen Southeastern University in Florida lehrende Mediziner wies darauf hin, dass er Zugang zu vertraulichen Berichten des Ärzte-Teams des venezolanischen Präsidenten habe. (APA/AFP)


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