Abfuhr für „unverfrorene“ Krankenstandspläne

Wien – Eine Absage von ÖGB und Opposition hat sich der ÖVP-Wirtschaftsbund mit seinem Vorschlag geholt, den ersten Krankenstandstag nicht me...

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Wien –Eine Absage von ÖGB und Opposition hat sich der ÖVP-Wirtschaftsbund mit seinem Vorschlag geholt, den ersten Krankenstandstag nicht mehr zu bezahlen. Unterstützung kommt nur von der Wirtschaftskammer. Wirtschaftsbund-Generalsekretär Peter Haubner hatte am Freitag gefordert, dass die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall künftig erst am zweiten Tag des Krankenstandes beginnen soll. Für den Leitenden Sekretär des ÖGB, Bernhard Achitz, ist die Forderung „politisch unverfroren“ und „wirtschaftlicher Unsinn“.

Kranke Arbeitnehmer seien anfälliger für Arbeitsunfälle, sagte Achitz am Samstag. Außerdem würden sich Arbeitnehmer nicht aus Jux und Tollerei krankmelden, im Gegenteil: „Wir wissen, dass der Druck auf die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer steigt und sie eher dazu neigen, sich krank in die Arbeit zu schleppen, weil sie Angst haben, ihren Arbeitsplatz zu verlieren.“

Der stellvertretende FPÖ-Obmann Norbert Hofer nannte den Vorschlag eine „besonders geschmacklose Initiative“. BZÖ-Arbeitnehmersprecher Sigisbert Dolinschek bezeichnete die Idee als „kontraproduktiv, unausgegoren und schlichtweg dumm“. Die grüne Arbeitnehmersprecherin Birgit Schatz vermutet in der Idee einen „verspäteten Aprilscherz“.

Haubner will mit seinem Vorschlag die Kurzkrankenstände (bis zu drei Tage) eindämmen. Vorbild sei Schweden: Dort werde der erste Krankenstandstag seit 1993 nicht bezahlt.

In Österreich sind zwar die Krankenstände in den vergangenen 20 Jahren (durchschnittlich von 15,2 auf 12,9 Tage) leicht rückläufig, die Kurzkrankenstände haben sich aber verdoppelt. (TT)


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