Gusti Wolf: Die große Kindliche würde 100 Jahre alt

Wien (APA) - „In jungen Jahren fragte ich einen großen Schauspieler: ‚Glauben Sie, dass aus mir was werden kann?‘ - Er: ‚Wenn du durchhältst...

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Wien (APA) - „In jungen Jahren fragte ich einen großen Schauspieler: ‚Glauben Sie, dass aus mir was werden kann?‘ - Er: ‚Wenn du durchhältst - dann wirst du auch was!‘ Ich habe durchgehalten.“ Diese Anekdote stammt aus Gusti Wolfs 2001 erschienenen Erinnerungen. Die Kammerschauspielerin, die seit 1946 Ensemblemitglied des Burgtheaters war, hat unwahrscheinlich lange durchgehalten. Die Doyenne der heimischen Komik, aktiv bis zuletzt, verstarb am 5. Mai 2007 in Wien im Alter von 95 Jahren. Am kommenden Mittwoch (11. April) steht der 100. Geburtstag des Publikumslieblings an.

Durchhaltevermögen, aber auch eine quirlig-neugierige Lebenseinstellung zählten zum Erfolgsrezept von Gusti Wolf, die am 11. April 1912 im Arbeiterbezirk Favoriten geboren wurde. Auch wenn sie stets betonte, eine glückliche Kindheit gehabt zu haben - leicht hatte die kleine Gusti es nicht. Ihre Mutter starb, als sie 16 Monate alt war. Als junges Mädchen wurde sie in der Familie des Malers Felix A. Harta aufgenommen, in dem sie schließlich einen wichtigen Förderer fand.

Schauspielunterricht hatte das „herzige“ Wiener Mädel nicht, das hoffnungsvoll-naiv zum Vorsprechen am Raimundtheater erschien und prompt engagiert wurde. Ihre erste Rolle 1931 in „Osterhäschens Abenteuer“ schien aber nicht repräsentativ genug, um sie später als Debüt in den Biografien anzuführen. Diese beginnen mit ihrem Eintritt als Elevin bei Erich Ziegel an die Wiener Kammerspiele.

In Stella Kadmons legendärem Kabarett zum „Lieben Augustin“ entdeckten Fritz Grünbaum und Karl Farkas ihr komisches Talent und schrieben für Gusti Wolf und die Kammerspiele zwei Revuen, die über 100 Mal gespielt wurden. Es folgten Lehr- und Wanderjahre, die sie über Mährisch-Ostrau 1937 an die Münchner Kammerspiele zu Otto Falckenberg brachten, der ihr Lehrmeister werden sollte.

Seit 1937 („Die unentschuldigte Stunde“ und „Austernlilli“) stand Gusti Wolf auch immer wieder vor der Filmkamera, etwa in „Das Riesenrad“ von Ernst Marischka, „Orientexpreß“, „Jetzt schlägt‘s 13“, „Rosen-Resli“ und Jahrzehnte später, 1998, in „Drei Posträuber“ von Andreas Prohaska. Seit den 1960er Jahren arbeitete sie auch regelmäßig fürs Fernsehen: Regisseure wie Gustav Ucicky, Wolfgang Liebeneiner oder Peter Hajek („Wenn das die Nachbarn wüßten“) haben ihren einprägsamen Typ oft verlangt. Zu ihren prominentesten Fernsehfiguren zählen die „Mutter Kottan“ und die Rosa in der Serie „Rosa und Rosalind“ nach dem Drehbuch von Christine Nöstlinger.

Über die Berliner Volksbühne und das Wiener Volkstheater kam Gusti Wolf 1946 schließlich ans Burgtheater, wo sie bereits 1934 in „Richard III.“ debütiert hatte. Hier spielte sie sich in sechs Jahrzehnten von Kinderrollen (mit Ende 30) wie der Adelheid in Hauptmanns „Biberpelz“ über ihren unvergesslichen „Puck“ im „Sommernachtstraum“ bis zu den Großmüttern durch die ganze Weltliteratur. Von Nestroy über Schnitzler und Hofmannsthal bis zu Horvath und zeitgenössischen Stücken reichte ihr Repertoire - naiv, nachdenklich und poetisch konnte sie sein, und vor allem Absurdes und feinst Skurriles war bei Wolf bestens aufgehoben.

Zum 85. Geburtstag und zum Jubiläum ihrer 50-jährigen Burgtheaterzugehörigkeit schenkte ihr der damalige Direktor Claus Peymann ihr Wunschstück „Harold und Maude“. Zuletzt stand sie im Herbst 2006 als „Fremdenführerin“ in der Mozartjahr-Produktion „Mozartwerke GmbH“ auf der Bühne. Mittlerweile ist Gusti Wolf selbst zum Theatermythos geworden, der im Gedächtnis des Publikums fortlebt.

(B I L D A V I S O - Fotos von Gusti Wolf sind am 5. Mai 2007 über den AOM verbreitet worden und dort abrufbar.)


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