Präsident von Malawi tot - Vizepräsidentin übernahm Staatsführung

Lilongwe (APA/Reuters/AFP) - Nach dem Tod des Präsidenten von Malawi, Bingu wa Mutharika, hat dessen Stellvertreterin Joyce Banda die Amtsge...

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Lilongwe (APA/Reuters/AFP) - Nach dem Tod des Präsidenten von Malawi, Bingu wa Mutharika, hat dessen Stellvertreterin Joyce Banda die Amtsgeschäfte übernommen. Im Beisein von Ministern, dem Generalstaatsanwalt sowie den Spitzen von Militär und Polizei erklärte sich Banda am Samstag in Lilongwe zum Staatsoberhaupt. „Wie Sie sehen, hat die Verfassung gesiegt“, sagte Banda, mit der erstmals eine Frau an der Spitze des Landes im südlichen Afrika steht. Die Regierung und der staatliche Rundfunk hatten am Samstag mit eintägiger Verspätung den Tod des 78-jährigen Mutharika nach einem Herzinfarkt bestätigt bzw. offiziell gemeldet.

„Wir müssen die traurige Nachricht mitteilen, dass Präsident Mutharika verstorben ist“, erklärte am Samstag das Präsidentenbüro. Es kündigte gleichzeitig eine zehntägige Staatstrauer an. In der Erklärung wurde auch angekündigt, dass Vizepräsidentin Banda verfassungsgemäß Mutharikas Nachfolge antrete. Schon am Freitag hatten Regierungsmitglieder mitgeteilt, der Präsident sei an den Folgen eines Herzinfarktes gestorben. Eine offizielle Bestätigung für die Berichte gab es jedoch nicht.

Der 78-Jährige starb nach Angaben eines Krankenhauses in der Hauptstadt Lilongwe am Freitag in der Früh, nachdem er zuvor einen Herzinfarkt erlitten hatte. Die Ärzte hätten noch zwei Stunden lang versucht, den Präsidenten wiederzubeleben. Die Leiche Mutharikas sei in der Nacht nach Südafrika geflogen worden, wo sie einbalsamiert werden solle. In anderen Medizinerkreisen hieß es, die Leiche sei deshalb nach Südafrika geflogen worden, weil es in Malawi wegen der Energiekrise an Kühlkapazitäten und Möglichkeiten für eine ordnungsgemäße Autopsie fehle. Anderen Berichten zufolge war der lebende Mutharika bereits am Donnerstag wegen Herzproblemen in eine Klinik ins benachbarte Südafrika geflogen worden.

In dieser Situation waren Spekulationen über einen Machtkampf aufgekommen. Gemäß der malawischen Verfassung wurde Vizepräsidentin Banda automatisch die Nachfolgerin. Allerdings deuteten viele Zeichen darauf hin, dass die herrschende Demokratische Volkspartei (DDP) lieber den Bruder des toten Präsidenten, Außenminister Peter Mutharika, zum neuen Staatsoberhaupt machen wollte.

Die 61 Jahre alte Banda war einst Parteifreundin von Mutharika. Nach einem Zerwürfnis musste sie 2010 die DDP verlassen. Die DDP berief am Freitag den Bruder des toten Präsidenten zu ihrem neuen Vorsitzenden. Mehrere Mitglieder aus dem inneren Machtzirkel des Ex-Präsidenten erklärten zudem im staatlichen Fernsehen, dass Vizepräsidentin Banda nicht geeignet für das Präsidentenamt sei.

Die Anwesenheit ranghoher Vertreter von Regierung und Sicherheitskräften bei der Erklärung Bandas deutete jedoch darauf hin, dass der Streit ausgeräumt ist. Auch die USA als wichtigster Geldgeber des verarmten Landes hatten darauf gedrungen, dass die Frauenrechtlerin die Amtsgewalt übernimmt. Die USA erwarteten, dass Banda rasch vereidigt werde, erklärte das Außenministerium in Washington.

Mutharika kam 2004 an die Spitze von Malawi, fünf Jahre später wurde er mit großer Mehrheit wiedergewählt. Der Ökonom arbeitete zuvor für verschiedene internationale Organisationen, darunter die Weltbank. Kritiker warfen ihm eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage und Rückschritte in Sachen Demokratie vor. Malawi grenzt an Tansania, Mosambik und Sambia. Das Land hat knapp 14 Millionen Einwohner und ist eines der ärmsten der Welt.

Die Mehrheit der Menschen in Malawi dürfte Mutharika keine Träne nachweinen. In ihren Augen war er ein autokratischer Herrscher und persönlich für die Wirtschaftskrise verantwortlich, die Ergebnis eines Bruchs mit der früheren Kolonialmacht Großbritannien ist. „Wir wissen, dass er tot ist. Er starb in einem einheimischen und schlecht ausgestatteten Krankenhaus, um das er sich nie gekümmert hat - keine Medikamente und kein Strom“, kommentierte ein an einer Tankstelle wartender Geschäftsmann den Tod des Präsidenten. „Tut mit leid, aber wir alle haben seinen Tod herbeigesehnt“, sagte ein anderer Geschäftsmann.


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