Malawi erstes Land im südlichen Afrika mit Staatschefin

Die bisherige Vizepräsidentin Joyce Banda übernahm am Samstag die Amtsgeschäfte.

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Johannesburg/Lilongwe - Nach dem Tod des malawischen Präsidenten Bingu wa Mutharika hat die bisherige Vizepräsidentin Joyce Banda am Samstag den Amtseid als Staatsoberhaupt abgelegt. Das berichteten malawische Medien aus der Hauptstadt Lilongwe. Regierungsmitglieder hatten am Freitag mitgeteilt, Präsident Mutharika (78) sei an den Folgen eines Herzinfarktes gestorben.

Mit Banda steht erstmals eine Frau an der Spitze eines Landes im südlichen Afrika. Sie konnte sich bei der verfassungsgemäßen Machtübergabe in der Hauptstadt Lilongwe auf den Rückhalt aus Politik, Justiz, Polizei und Armee stützen. Damit zerstreuten sich Sorgen in der Bevölkerung, es könne zu einem Machtkampf in dem verarmten Land kommen. Die Regierung hatte erst mit deutlicher Verspätung den Tod des bisherigen Staatchefs Mutharika bestätigt.

„Wie Sie sehen, hat die Verfassung gesiegt“, sagte Banda, die mit farbenfreudigem Kleid und Kopfschmuck vor die Presse trat. Die Verfassung sieht im Todesfall des Präsidenten vor, dass dessen Stellvertreter die Amtsgeschäfte übernimmt. Der bisherige Präsident Mutharika soll aber zuletzt seinen Bruder Peter, den Außenminister, als neuen Staatschef bevorzugt haben.

„Eine Frau als Präsident ist für uns noch neu“, sagte ein Wachposten in der Stadt Blantyre. „Aber die meisten Leute wollen lieber Joyce Banda als Peter Mutharika.“ Befürchtungen eines Machtkampfes schürte auch die Tatsache, dass Banda 2010 in einem Nachfolgestreit aus der Regierungspartei ausgeschlossen worden war. Ihre Position als Vizepräsidentin behielt sie aber. Zweifel an einem reibungslosen Machtwechsel waren zudem aufgekommen, weil der Herztod des 78-jährigen Mutharika mit Verspätung vermeldet wurde und sein Leichnam nach Südafrika geflogen wurde. Letzteres hat Medizinerkreisen den Hintergrund, dass es in Malawi wegen der Energiekrise an Kühlkapazitäten und Möglichkeiten für eine ordnungsgemäße Autopsie fehle.

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Die Mehrheit der 13 Millionen Menschen in Malawi dürfte Mutharika keine Träne nachweinen. In ihren Augen war er ein autokratischer Herrscher und persönlich für die Wirtschaftskrise verantwortlich, die Ergebnis eines Bruchs mit der früheren Kolonialmacht Großbritannien ist. „Wir wissen, dass er tot ist. Er starb in einem einheimischen und schlecht ausgestatteten Krankenhaus, um das er sich nie gekümmert hat - keine Medikamente und kein Strom“, kommentierte ein an einer Tankstelle wartender Geschäftsmann den Tod des Präsidenten. Seine Gegner werfen Mutharika vor, nach 18 Jahren der Demokratie die Uhren zurückgedreht zu haben.

Auch die USA als wichtigster Geldgeber des armen Landes hatten darauf gedrungen, dass Banda die Amtsgewalt übernimmt. Sie dürfte das Land nun bis zur nächsten regulären Wahl im Jahr 2014 regieren. Sie legte am Samstag ihren Amtseid ab und ordnete eine zehntägige Staatstrauer an. Die Fahnen sollten auf Halbmast gehisst und die Rundfunksender nur getragene Musik spielen. (APA/dpa/Reuters)


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