Einreiseverbot: Günter Grass ist in Israel künftig unerwünscht

Die Empörung in Israel über das Gedicht von Günter Grass hat jetzt handfeste Folgen: Der Innenminister erklärt den deutschen Schriftsteller zur Persona non grata. Damit kann Grass nicht mehr in den jüdischen Staat einreisen.

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Von Sara Lemel/dpa

Tel Aviv - Günter Grass hat in Israel ab sofort Einreiseverbot. „Ich sehe es als Ehre an, ihm die Einreise ins Heilige Land zu verbieten“, sagte der israelische Innenminister Eli Yishai am Sonntag. Aus israelischer Sicht hat der deutsche Literaturnobelpreisträger mit seinem israelkritischen Gedicht eindeutig eine rote Linie überschritten. Der Innenminister von der strengreligiösen Shas-Partei will in der heftigen Debatte um Grass auch keine Grautöne geltenlassen - der Intellektuelle ist für ihn mit seinen Äußerungen vollständig in die Kategorie „Nazi“ gerutscht.

Nobelpreis soll aberkannt werden

Yishai sagte im israelischen Rundfunk auch, man müsse dem 84-Jährigen nun eigentlich den Literaturnobelpreis aberkennen. Der von orientalischen Juden abstammende Politiker verglich Grass‘ Äußerungen mit der antisemitischen Hetze, die letztlich zum Holocaust geführt habe. „Man kann angesichts solcher Worte einfach nicht schweigen“, sagte er. Mit deutlicher Abscheu sprach Yishai von Grass als einem „antisemitischen Menschen“ und „einem Mann, der eine SS-Uniform getragen hat“.

Viele Israelis finden es besonders perfide, dass Grass sein Gedicht ausgerechnet vor dem jüdischen Pessach-Fest veröffentlichte und glauben nicht an einen Zufall. Damit stellt er sich aus ihrer Sicht in eine Reihe mit antisemitischen Christen, die Juden in Europa über Jahrhunderte mit Ritualmordlegenden quälten. Damals gab es immer wieder Anschuldigungen, Juden würden das Blut christlicher Kinder für das Backen des traditionellen Mazzes-Brots am Pessach-Fest verwenden.

Lieberman: Äußerungen seien ein Ausdruck von Zynismus

Als ähnlich absurd wird die Warnung von Grass gesehen, Israel gefährde den Weltfrieden. Israel fühlt sich von Teheran und seinem Atomprogramm existenziell bedroht - die Darstellung des Literaten wird daher als blanker Hohn und Verdrehung der Tatsachen empfunden.

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Außenminister Avigdor Lieberman sagte am Sonntag bei einem Treffen mit dem italienischen Regierungschef Mario Monti über Grass: „Seine Äußerungen sind ein Ausdruck des Zynismus eines Teils der westlichen Intellektuellen, die als Eigenwerbung und im Willen, noch ein paar Bücher zu verkaufen dazu bereit sind, die Juden ein zweites Mal auf dem Altar verrückter Antisemiten zu opfern.“

Mit dem Einreiseverbot gegen Grass scheint es Yishai sehr ernst zu sein. Er glaube zwar nicht, dass der Schriftsteller gegenwärtig überhaupt Pläne habe, nach Israel zu reisen, sagte er. „Aber ich werde ihn zur unerwünschten Person machen, auch wenn er kommen will.“ (dpa)


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