Deutschland im vergangenen Jahrzehnt von Kneipensterben erfasst

Berlin (APA/AFP) - In Deutschland hat ein großes Beiselsterben eingesetzt. Seit 2001 hat jede vierte Kneipe zugemacht, wie die Zeitung „Welt...

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Berlin (APA/AFP) - In Deutschland hat ein großes Beiselsterben eingesetzt. Seit 2001 hat jede vierte Kneipe zugemacht, wie die Zeitung „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf das Statistische Bundesamt und auf eigene Berechnungen berichtete. Demnach sank die Zahl der Schankwirtschaften deutschlandweit seit 2001 von fast 48.000 auf 36.000 im Jahr 2010. Besonders stark betroffen waren die Länder Hamburg und Niedersachsen mit einem Minus von je über 40 Prozent. Die Hauptstadt Berlin trotzte dem Trend, mit einem Plus von 95,8 Prozent hat sich die Zahl der Kneipen dort fast verdoppelt. Einen Zuwachs verzeichnete auch Baden-Württemberg (plus 15,3 Prozent).

Branchenvertreter führten die Rückgänge unter anderem auf die starke Konkurrenz durch Vereine zurück. Es gebe eine „Wettbewerbsverzerrung“, weil in vielen Vereinsheimen inzwischen ein beinahe professioneller Barbetrieb herrsche, kritisierte die Hauptgeschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbands, Ingrid Hartges. Dies geschehe unversteuert und ohne behördliche Auflagen.

Wissenschafter warnten vor den gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Entwicklung. „Mit dem Wirtshaus verschwindet eine Einrichtung mit hohem sozialen und kulturellen Stellenwert aus den Gemeinden“, sagte Florian Kohnle vom Lehrstuhl für Kulturgeografie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt der Zeitung. In rund 500 von 2.200 bayerischen Gemeinden gebe es mittlerweile überhaupt keine Gaststätte mehr. Die Ursachen seien vielfältig: Bevölkerungsrückgang auf dem Land, Mobilitätszuwachs, Veränderungen von Arbeitswelt und Freizeitverhalten und die Konkurrenz durch Vereinsheime.


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