„Weltwoche“ versteht Aufregung um „Roma-Cover“ nicht

Zürich (APA) - Die Diskussionen um das aktuelle Cover-Foto der Schweizer „Weltwoche“ sind am Ostersonntag fortgesetzt worden. Die Verantwort...

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Zürich (APA) - Die Diskussionen um das aktuelle Cover-Foto der Schweizer „Weltwoche“ sind am Ostersonntag fortgesetzt worden. Die Verantwortlichen des Magazins verstehen die Aufregung nicht. Ein Mitglied der Chefredaktion erklärte laut Schweizer Medienberichten, das im In- und Ausland mitunter heftig kritisierte Titelbild symbolisiere den Umstand, „dass Roma-Banden ihre Kinder für kriminelle Zwecke missbrauchen.“ In Wien hatte der Journalist Klaus Kamolz am Freitag gegen die „für den redaktionell Inhalt Verantwortlichen“ Anzeige wegen „Verhetzung“ erstattet.

Das Coverbild zeigt einen kleinen Roma-Buben, der mit einer Pistole auf die Kamera zielt. Darunter prangt der Aufmacher: „Die Roma kommen: Raubzüge in die Schweiz“. Daraufhin gingen sowohl in der Schweiz als auch im Ausland Anzeigen gegen den Verleger und Chefredakteur der rechtskonservativen „Weltwoche“, Roger Köppel, ein. In Deutschland soll laut Berichten im Internet Dirk Hegemann, Sprecher des Bündnisses „Rechtspopulismus stoppen!“, diesen Schritt getätigt haben, in der Schweiz eine Privatperson aus dem Kanton Basel-Land.

Philipp Gut, stellvertretender Chefredakteur der „Weltwoche“, übte hingegen seinerseits Kritik: Keiner der Empörten habe sich auch nur mit einem Wort gegen den Missbrauch dieser Kinder ausgesprochen, die nicht nur Täter, sondern auch Opfer seien. „Das ist, wenn schon, der Skandal“, so Gut gegenüber der „SonntagsZeitung“.

Kamolz wollte mit der Anzeige ein „symbolisches Zeichen“ gegen die in seinen Augen durch die „Weltwoche“ betriebene „Pauschalverurteilung der Roma als Verbrecher“ setzen, wie er am Samstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA gesagt hatte. Kamolz‘ Intention war auch, dass die österreichischen Behörden von sich aus aktiv werden, handle es sich doch beim Tatbestand der Verhetzung nach österreichischem Recht um ein „Offizialdelikt“.

Wie Kamolz am Samstag gegenüber der APA erklärt hatte, ist im vorliegenden Fall insbesondere Absatz 2 des Paragrafen 283 relevant, der eine „für eine breite Öffentlichkeit wahrnehmbare“ Verhetzung, Beschimpfung oder Verächtlichmachung betrifft.

Das Foto stammt laut dem Zürcher „Tagesanzeiger“ vom italienischen Fotografen Livio Mancini. Es wurde gemäß seiner Internetseite im Jahr 2008 auf einer Mülldeponie am Rande der kosovarischen Stadt Gjakova aufgenommen, wo Roma-Kinder mit ihren Familien leben und die giftige Abfallhalde als Spielplatz nutzen.

Mancini hat nach der Publikation etliche E-Mails bekommen. Zuvor habe er vom Abdruck des Fotos nichts gewusst. Er lasse nun abklären, wie die „Weltwoche“ zu diesem Bild gekommen ist. „Ich habe keinen Kontakt zu diesem Magazin und hatte keine Kontrolle darüber, in welchem Kontext sie das Bild verwendeten“, sagt er gegenüber dem „Sonntag“.

„Ein kleines Roma-Kind, das noch nie in der Schweiz war, nie in der Schweiz sein wird, von dem man dreieinhalb Jahre später nicht einmal weiß, ob es noch lebt, dieses Roma-Kind richtet seine Waffe auf die Schweiz?“, empörte sich Kamolz am Samstag gegenüber der APA, „das ist das Grindigste überhaupt. Das ist der wahre Journalist Köppel.“

Roger Köppel (46) war am Wochenende dem „Tagesanzeiger“ zufolge für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Die „Weltwoche“ war bis August 2001 unter Chefredakteur Fredy Gsteiger linksliberal positioniert gewesen, ehe dieser von Köppel abgelöst wurde. Er führte das Wochenmagazin seither mit einer fast vollständig neuen Redaktions-Belegschaft auf einen wirtschaftsliberalen und betont rechtskonservativen Kurs.

Am heutigen Ostersonntag, 8. April, wird der „Internationale Tag der Roma“ begangen. Er erinnert an den ersten weltweiten Roma-Kongress am 8. April 1971 in London, bei dem die „Romani Union“ als internationale Vertretungsorganisation der Volksgruppe gegründet wurde. Auch 31 Jahre danach ist die Situation der bis zu zwölf Millionen Roma in Europa weiterhin desolat: Nach Angaben der EU-Agentur für Menschenrechte gehören Roma zu den am meisten von Armut, Arbeitslosigkeit und Analphabetismus betroffenen Gruppen in Europa.

(I N T E R NE T: http://www.weltwoche.ch/)


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