Wende in der Königsklasse - die Formel 1 hat ihren ersten Favoriten

Fernando Alonso hat sich als erster Fahrer heuer zwei Mal in die Siegerliste eingetragen. Damit schlüpft der Spanier auch gleich in die WM-Favoritenrolle.

Valencia - Die Formel-1-WM 2012 hat nach dem packenden Europa-Grand-Prix in Valencia erstmals so etwas wie einen Saisonfavoriten. Fernando Alonso avancierte in Spanien nicht nur zum ersten Zweifach-Saisonsieger, erstmals liegt auch ein Pilot 20 Punkte und damit fast einen GP-Sieg voraus. Der Spanier hat sich fest vorgenommen, auch als Führender in die August-Sommerpause zu gehen.

Bis zu dieser stehen aber noch die Rennen in Silverstone, Hockenheim und Budapest an. „Der Juli ist mit drei Rennen in vier Wochen ein enorm wichtiger Monat“, weiß auch der nach seinem emotionalen Triumph mit 111 Punkten vor Mark Webber (91) und Lewis Hamilton (85) führende Alonso, dass es in der bisher so außergewöhnlich verlaufenen WM mit sieben verschiedenen Siegern in den ersten sieben Rennen nun ans Eingemachte geht.

Denn mit Valencia gingen auch die Monate mit jeweils nur zwei Rennen zu Ende. Ab jetzt wartet auf die Teams in der 20 Rennen umfassenden Saison Schwerarbeit, sprich von Juli bis November gleich jeweils drei GP-Rennen. Die nächsten fünf Läufe gehen in Europa über die Bühne. Alonso wurde nach dem Italien-GP in Monza am 9. September liebend gerne auch als Leader zu den letzten sieben Rennen in Übersee aufbrechen.

Vorerst stand aber „Party“ auf dem Programm. „Der Sonntag in Valencia, das war ein unvergesslicher Tag“, jubelte der Asturier und Ferrari-Chef Luca Montezemolo notierte nicht nur, dass mit Alonso, Kimi Räikkönen und Michael Schumacher drei Ferrari-Ex-Weltmeister auf dem Podest gelandet waren. Er schwelgte förmlich. „Das ist die beste Seite von Ferrari. Jene, die man sehen will“, jubilierte der „Commendatore“.

Montezemolo beschwor zudem den Teamgeist. „Er steht für Ferrari, aber auch für unsere Heimat und die Emilia Romagna, wo die Menschen nach den Erdbeben durch schwere Zeiten gehen. Ich hoffe, durch diesen Sieg können sie zumindest wieder ein wenig lächeln“, sagte er.

Während sich praktisch alle mit Alonso freuten, hatte Schumachers 155. aber auch erster Podestplatz seit Oktober 2006 einen Schönheitsfehler. Obwohl die Verwendung von KERS und DRS unter Gelb ausdrücklich untersagt ist, ließ die FIA Gnade vor Recht ergehen und bestätigte den dritten Platz des Deutschen, obwohl der im Finish des Rennens unter Gelb DRS aktiviert hatte.

So blieb für Webber zum bereits fünften Mal in diesem Jahr mit Platz vier nur der erste Platz hinter dem Podest. Das aber immerhin von Startplatz 19 aus. Es ist aber bezeichnend, dass der australische Monaco-Sieger mit dieser Serie WM-Zweiter hinter Alonso ist.

Eigentlich hatte man Webbers Teamkollegen Vettel nach Valencia in der Alonso-Rolle erwartet. Der Deutsche steuerte von der Pole weg auch bis zur Rennmitte im Hafenbecken auf Valencia-Hattrick-Kurs, ehe alles schief ging. Ausgerechnet die Tölpelei seines erweiterten Stallgefahren Jean-Eric Vergne von Toro Rosso löste jene Saftey-Car-Phase aus, durch die sich Vettels gewaltiger Vorsprung von 20 Sekunden in Luft auflöste.

Gleich danach ging durch die Langsamfahrerei bei Temperaturen von fast 30 Grad am Red Bull ebenso die Lichtmaschine kaputt wie kurz später die im ebenfalls von einem Renault angetriebenen Lotus des Franzosen Romain Grosjean. „Schade, denn das Auto war enorm schnell“, hatte sich der auf WM-Platz vier zurückgefallene Titelverteidiger nach anfänglichem Ärger mit deutlichen Worten bald wieder im Griff. Teamchef Chris Horner gab zu: „Das ist eine Riesen-Enttäuschung.“

Dass ausgerechnet Ferrari in aller Öffentlichkeit mit Vettel als künftigem Alonso-Co flirtet, ist bei Red Bull natürlich nicht unbemerkt geblieben. Dort will man sich an den Spekulationen aber nicht beteiligen. „Mit der Fahrer-Frage beschäftigen wir uns wie immer in der Sommerpause“, erklärte Motorsport-Direktor Helmut Marko in Spanien. (APA)


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