„Ich brauche Arbeit, die Sinn macht“

Das erste SOS-Kinderdorf der Welt – jenes in Imst – hat einen neuen Dorfleiter: Heilpraktiker und Wirtschafter Jörg Schmidt.

Von Renate Schnegg

Imst –Jörg Schmidt ist gelernter Sportlehrer, kam über die Pädagogik zur Sport- und Bewegungstherapie und durch Weiterbildung zum Heilpraktiker. „In dem Beruf war ich zehn Jahre selbstständig“, berichtet der 43-jährige gebürtige Bayer.

Als Heilpraktiker kam er in jenes Hotel in Jungholz, wo er zwei Jahre lang den Wellness-, Erholungs- und Massage-Bereich leitete, „bis plötzlich die Frage seitens der Konzernleitung auftauchte, ob ich das Hotel nicht führen möchte“, sagt Schmidt. Gefragt, getan. Aber dann geriet die gesamte Hotelkette in finanzielle Schwierigkeiten.

Bei jenem Unternehmen, das das Hotel mit Obst und Gemüse belieferte, wurde er stellvertretender Geschäftsführer, ließ es aber bald gut sein, „weil es strukturell einfach nicht passte“, umschreibt Schmidt den Mangel an Teamwork. Auf Letzteres legt er nämlich ebenso großen Wert wie darauf, „dass ich eine Arbeit mache, die auch wirklich Sinn macht“. Er begann zudem das Fernstudium der Betriebswirtschaftslehre, im November finden die Prüfungen statt. Am 23. Jänner 2012 nahm Schmidts berufliches Leben allerdings eine entscheidende Wende: Es war beim Brotholen, als er die Zeitung durchblätterte und eine Annonce entdeckte, „dass ein Dorfleiter für das Kinderdorf in Imst gesucht wird“, erinnert sich Schmidt. Er bewarb sich, kam in die engere Wahl – und ist seit 4. Juni offiziell der neue Dorfleiter des ersten SOS-Kinderdorfs der Welt.

Der 43-Jährige geht mit viel Respekt an die neue Herausforderung heran, denn „die Komplexität der Aufgabe ist mir bewusst und die Fußstapfen von Hermann Gmeiner sind riesig“. Er wolle in die Struktur hineinwachsen und ein Beziehungsfundament aufbauen, „da die Mitarbeiter durch die Wechsel der letzten Zeit verunsichert sind.“ Aber sie haben, gemeinsam mit Interims-Dorfleiter Christoph Drobil und Kinderdorf-Sekretärin Marlene Schnegg, „das Schiff trotz Turbulenzen auf Kurs gehalten“. Das „Schiff“ besteht derzeit aus zehn Familien, vier Wohngruppen, einer Krisengruppe und einem Kindergarten.

Schmidt ist verheiratet und lebt in einer Patchwork-Familie mit drei Kindern. Seine Frau und die gemeinsame Tochter werden im September nach Imst übersiedeln.


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