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Rücktritt des Organisators, unsichere Zukunft: Der Skandal um den Dreiländergiro schlägt Wellen – und die Veranstalter müssen sich selbst an der Nase nehmen.

Von Roman Stelzl

Innsbruck –Die erste Wut war verraucht, das Rennrad vorerst im Keller verschwunden, und Tag eins nach der 19. Auflage des Dreiländergiro­ angebrochen. Es hätte ein schöner, ein ruhiger Montagmorgen werden sollen für die rund 3500 Radsportler. Und vor allem für Organisator Karl Mall. Aber stattdessen kehrte bis gestern keine Ruhe ein, die Telefonleitungen liefen allerorts heiß, und brennend war nach dem Skandal an der Grenze, wo laut Veranstalter rund 2000 Teilnehmern ohne gültigen Pass die Einreise in die Schweiz verwährt wurde, vorwiegend eine Frage: Gibt es 2013 eine 20. Auflage des Tiroler Radklassikers – oder ist der Dreiländergiro am Ende?

Die Antwort liegt in den Händen der Organisatoren, die derzeit nach einer gütlichen Lösung mit der Kantonspolizei von Graubünden suchen. „Wir müssen eine Lösung finden, denn für unsere Gemeinde wäre der Verlust ein unermesslicher Schaden“, meinte Robert Mair, Bürgermeister des Start- und Zielorts Nauders. Mit der Schuldfrage will er sich jedoch ebenso wenig wie Mall („Am Ende­ ist man natürlich immer schlauer­“) näher beschäftigen. Vielmehr soll möglichst rasch eine Einigung gefunden werden. Dennoch beschäftigt viele die Frage, wie es zu dem Eklat an der Grenze kam.

In einem Schreiben vom 7. Juni 2012, das der TT vorliegt, weist die Regierung Graubünden daraufhin, dass „maximal 1500 Teilnehmer“ bei allen Radrennen zugelassen sind. In der Vergangenheit sei es vermehrt zu Beschwerden gekommen. „Aus Sicherheitsgründen werden ab sofort nur noch maximal 1500 Teilnehmer bewilligt.“ Allen Organisatoren sei das am 27. März 2012 mitgeteilt worden, die Auflagen seien überdies „sofort­ umzusetzen“.

Die Kantonspolizei Graubünden gab ihre Sicht der Dinge so wieder: „Wir haben etwa 2500 Fahrer durchgelassen­, erst bei den letzten paar hundert haben wir die Grenze­ dichtgemacht. Es gab zwei Unfälle, der Helikopter der Schweizer Rettung konnte nicht zu den Verletzten vordringen. Die Sicher­heit war daher stark gefährdet.“

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„Das war alles schlecht abgesprochen“, ergänzte Mall, der eine klare Bestätigung erst im obengenannten Schreiben sieht. Also 17 Tage vor dem Rennen selbst – für Mair und Mall („Ich hätte nicht mehr alle informieren können“) zu spät. Fakt ist dennoch, dass die Veranstalter mit Verzögerung auf die drohende Gefahr hingewiesen hatten. Die etwa „vor einem Monat“ (Mall) erschienene Verlautbarung auf der Homepage (www.drei­laendergiro.at) liest sich nicht eindeutig. Von dem möglichen Rücktritt (Startgeld retour) machte kein einziger der Gemeldeten Gebrauch.

Mall führte die letzten zwei Tage lange Gespräche mit der Kantonspolizei Graubünden und will nun in weiteren Verhandlungen das Rennen für 2013 in trockene Tücher bringen. Und es wird zugleich sein Abschiedsgeschenk sein. Mall: „Nach diesem Vorfall werde ich nach zehn Jahren als Organisator abtreten. Ich hoffe, dass wir zum Abschluss eine schöne Lösung finden.“

Die teils erzürnten Radfahrer versöhnte er indes mit einem großzügigen Mehrtagesgutschein der Bergbahnen Nauders. Geschätzter Kostenpunkt für die Aktion laut Mall: rund 70.000 Euro.


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