Oberlehrer trifft Überflegel

Zwei Egos tanken Super: Thomas Gottschalks Wechsel zu RTL sorgt für Rauschen im Blätterwald. Und bereitet Dieter Bohlen angeblich Kopfzerbrechen. Oder ist alles nur Show?

Von Christiane Fasching

Innsbruck –Eines muss man Thomas Gottschalk lassen: Der 62-Jährige ist immer für eine Schlagzeile gut und weiß auch abseits des Patschenkinos für Unterhaltung zu sorgen. Seit RTL am Freitag verkündet hat, dass der einstige „Wetten, dass..?“-Moderator ab Herbst bei der Castingshow „Das Super­talent“ die Jurybank drücken wird, ist der Enter­tainer wieder in aller Munde­. Dass er kurz zuvor – nach seinem­ Scheitern bei der ARD-Vorabendshow „Gottschalk live“ – noch den Quotentod gestorben war, scheint vergessen. Lang lebe Gottschalk. Ob Dieter­ Bohlen das auch so sieht?

Die Montags-Schlagzeilen der Bild-Zeitung ließen daran eindeutige Zweifel aufkommen. „Schmeißt Bohlen hin?“ war da in fetten Lettern zu lesen. Laut dem Boulevardblatt sei der Pop-Titan nämlich alles andere als erfreut über das Engagement Gottschalks. Zum einen, weil der 58-Jährige nicht gern die Aufmerksamkeit teilt, zum anderen, weil RTL für seinen Neuzugang das Trash-Format angeblich familientauglicher machen will. Mit Penis-Malern und Kunst-Furzern wolle Onkel Thommy partout nichts zu tun haben. Onkel Dieter dagegen schon.

Klingt verdächtig nach Super­zwist beim „Supertalent“. RTL sieht das naturgemäß anders – und verlautbarte sogleich, dass Dieter Bohlen weiterhin „eine fixe Größe“ bei der Show bleiben werde. Und auch Gerüchte, wonach der Sprüche­klopfer bei der Verpflichtung Gottschalks übergangen worden sei, räumte der Kölner Privatsender aus dem Weg. Bohlen sei demnach nicht nur informiert, sondern sogar aktiv in die Gespräche eingebunden gewesen. Also was ist nun dran am vermeintlichen Zwist der TV-Blondinen?

Die TT hat dazu den deutschen Medienexperten Alexan­der Kissler befragt, der das Rauschen im Blätterwald als perfekte PR-Maschinerie für den bevorstehenden Start der Show interpretiert. „Derlei Unruhe ist immer gut für ein Produkt. Wirbel erzeugt naturgemäß Interesse“, ist Kissler überzeugt. Und dieses Interesse habe „Das Supertalent“ auch nötig. Schließlich habe RTL – trotz Zugpferd Dieter Bohlen – zuletzt mit Quotenproblemen zu kämpfen gehabt. Und diese könne und wolle sich der Privatsender einfach nicht leisten. Laut Kissler ist das nun „inszenierte Geplänkel“ deshalb als Versuch dafür zu werten, maximale Aufmerksamkeit zu erzeugen. Und das bereits Wochen­ vor dem Showstart.

Dennoch glaubt er, dass Bohlen­ und Gottschalk – oder besser gesagt deren Egos – wohl nicht allzu lange miteinander auskommen werden. „Auf der einen Seite haben wir den lieben Oberlehrer Gottschalk, auf der anderen Seite­ den ordinären­ Flegel Bohlen. Das ist am Anfang sicher interessant, weil jede Menge Funken­ fliegen werden. Aber von Dauer wird dieses Modell des guten und des bösen Bullen­ nicht sein“, so Kissler. Seine Prognose: „Über kurz oder lang wird eine der beiden Diven das Handtuch werfen. Aber selbst das kann Teil einer gut durchdachten Inszenierung sein.“

Aber warum tut sich Gottschalk dieses Theater überhaupt noch an? Hat er nicht mehr zu verlieren als zu gewinnen? Kissler sieht das anders. „Thomas Gottschalk ist mit seiner Vorabend-Show in der ARD gescheitert – und sein Ego fühlte sich dadurch gekränkt. Jetzt will er noch einmal auf die große Showbühne und allen Kritikern beweisen, dass er es noch kann.“

Apropos große Showbühne­: Auf diese wagt sich ab 6. Oktober auch Markus Lanz, der im Auftrag des ZDF bei „Wetten­, dass..?“ die Nachfolge­ von Gottschalk antritt. Ein schweres Erbe­, das durch den RTL-Coup nicht leichter wird. Schon jetzt steht nämlich fest, dass Lanz gegen das blonde Power-Duo ins Quotenduell gehen muss. Medienexperte Kissler freut sich schon darauf: „Das wird ein Boxkampf.“


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