Ohr-“Piercing“ gegen Schmerzen

Forscher der TU und Meduni Wien entwickeln ein Gerät, das Nervenenden im Ohrläppchen anregt. Es soll helfen, Schmerzen zu verringern und die Durchblutung zu steigern.

Wien - Reizt man Nerven mit elektrischem Strom, kann das durchaus beruhigende Wirkung haben. Allerdings sollte es sich dabei um den auch „Ruhenerv“ genannten Parasympathikus handeln. Ein Gerät, das seine Nervenenden im Ohr mit elektrischen Impulsen anregt und damit Schmerzen lindern und die Durchblutung fördern kann, entwickeln Forscher und Mediziner der Technischen- (TU) und Medizinischen Universitäten (Meduni) in Wien. Die Therapie brächte für die Patienten spürbare Verbesserungen und die Auswirkungen auf den Körper seien technisch messbar, teilte die TU am Montag in einer Aussendung mit.

Je nach Krankheitsbild gibt das Gerät über Titannadeln unterschiedliche Signalmuster an die Nervenenden weiter. Der Patient spürt dabei nur ein „angenehmes Kribbeln“, erklärte Eugenijus Kaniusas, Leiter der Gruppe für Biosensorik an der TU Wien. Das Gerät sei daumengroß und wird meistens eine Woche lang getragen, wirkt aber bereits innerhalb weniger Minuten, so Kaniusas im Gespräch mit der APA. Die Schmerzwahrnehmung würde sinken, die Durchblutung steigen, und in einer kleinen Studie hätte man gezeigt, dass es auch gegen Depressionen hilft.

Der Parasympathikus ist ein Teil des vegetativen Nervensystems, das zum Beispiel Herzschlag, Atmung, Blutdruck, Verdauung und Stoffwechsel kontrolliert. „Das parasympathische System ist für die Regeneration und Erholung, also für das Tanken von Energie verantwortlich“, erklärte Kaniusas.

Ein von Jozsef Constantin Szeles (Meduni Wien) entwickeltes Gerät ist bereits auf dem Markt und hätte sich in klinischen Tests bewährt. Eine in gemeinsamer Arbeit verbesserte Elektronik und objektivere Messtechniken sollen die Methode laut TU wirkungsvoller machen.

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Große Erfolge gibt es nach Angaben der Uni bei Patienten mit schlechter peripherer Durchblutung. „Mit der Wundheilung gibt es bei schlechter Durchblutung oft schwere Probleme, im schlimmsten Fall müssen sogar Extremitäten amputiert werden“, sagte Kaniusas. Elektrostimulation würde hier sehr hilfreich sein, die Steigerung der Durchblutung etwa im Fuß wäre nach elektrischen Impulsen „sehr deutlich“ zu sehen, so Kaniusas. (APA)


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