Ronaldo krallt sich den Weltmeister

Erstes EM-Halbfinale als brisantes iberisches Duell – Superstar Ronaldo fordert heute mit den Portugiesen seine Kumpels von Real Madrid sowie den spielbestimmenden Barcelona-Block heraus.

Von Wolfgang Müller

Innsbruck –Kleiner Nachbar fordert Fußball-Goliath – im heutigen ersten EM-Halbfinale hat der vermeintliche Außenseiter Portugal nur eines im Sinn: den imposanten Lauf des regierenden Welt- und Europameisters beenden. Man ist unter sich im brisanten iberischen Duell. Überraschen können sich die beiden Kontrahenten nicht, stehen doch von den 22 einlaufenden Kickern sieben bei Real Madrid und fünf beim FC Barcelona unter Vertrag. „Wir kennen sie bestens und sie kennen uns bestens“, brachte es Spaniens Xabi Alonso auf den Punkt.

Spielt der regierende Welt- und Europameister mit seinen Tiki-Taka-Strategen Xavi und Andrés Iniesta, den Professoren des zermürbenden Kurzpassspieles, um den Einzug in sein drittes große Finale in Serie, dreht sich fast alles um „CR7“. Klar, dass sich der regierende Champion speziell vor Cristiano Ronaldo besonders in Acht nimmt. Schließlich kennt man den dynamischen, dribbelstarken und torgefährlichen Real-Torjäger in- und auswendig. „Wir werden ihm besondere Aufmerksamkeit widmen“, versprach auch Spaniens Trainer Vicente del Bosque. Nach 60 Pflichtspiel-Toren in dieser Saison für Real muss er keinem seiner Spieler mehr etwas über Ronaldos Qualitäten erzählen. „Die ganze Welt kennt Ronaldo. Alle wissen, wie er spielt. Das Problem ist nur, wie man ihn stoppt“, schmunzelt Portugals Custódio.

Eine Sonderbewachung wird es für den im Turnierverlauf bisher dreimal erfolgreichen Flügelflitzer aber nicht geben. Denn mit dem Selbstvertrauen der Nummer eins im Weltfußball setzt Spanien auf die eigenen Stärken und eine Erfolgsbilanz, die sich sehen lassen kann. Mit dem 2:0 gegen Frankreich baute „La Roja“ die Serie auf 18 Pflichtspiele ohne Niederlage aus, 17 davon wurden gewonnen. In diesen 18 Partien ließ der Titelverteidiger gerade einmal acht Gegentore zu.

Dass sich dennoch Jubel und Anerkennung in Grenzen hielten, lag daran, dass nicht nur offensive Brillanz der gegen Frankreich erneut ohne gelernten Mittelstürmer auftretenden Spanier den Erfolgsweg ebneten, sondern vor allem ein defensives Bollwerk, hohe Laufbereitschaft und die nötige Effizienz im Abschluss. Kritik auf sehr hohem Niveau. Von langweiligen Weltmeistern und „Tiki-Takanaccio“ berichteten internationale Medien. „Das ist ihre Meinung. Aber ich denke nicht, dass wir unseren Ansatz verändern müssen“, reagierte Real-Profi Alonso trotzig.

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Die Erfolgsserie und der Auftritt der Spanier ringt auch Ronaldo großen Respekt ab: „Das wird eine harte Schlacht, in der Portugal sein Bestes geben muss.“ Für den 27-Jährigen ist es der vorläufige Höhepunkt des EM-Hypes um seine Person. Neben allem Prestige kommt für den charismatischen Dribbelkünstler noch hinzu, dass der Weg zum heißersehnten ersten Titel mit Portugals Nationalelf ausgerechnet über seine Kumpels von Real Madrid und den massiven Barcelona-Block führt. Der Kickermillionär von der Blumeninsel Madeira fährt seine Krallen gegen den benachbarten Rivalen aus und ist sich der Erwartungshaltung seiner Landsleute bewusst.

Was ihn aber nicht aus der Ruhe bringt: „Solche Spiele sind Teil meines Lebens. Ich erlebe es nun bereits seit zehn Jahren und habe mich daran gewöhnt: Verantwortung ja, Druck nein.“ Geballtes Selbstvertrauen Marke Cristiano Ronaldo eben.

Rechtzeitig zum Halbfinale ist Portugals Hoffnungsträger genau dort angekommen, wo er seiner Meinung nach auch hingehört bei dieser EM: An der Spitze der Torjägerliste (3 Treffer) und auf Platz eins jener Wertung, die die Spieler mit den meisten Torschüssen erfasst (29). Was im Finale seine Fortsetzung finden soll.


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