Bad kostet um Millionen mehr

Die Überschreitungen bei der Alpentherme Ehrenberg sind seit Februar intern bekannt. Der Gemeinderat wurde bisher nicht informiert. Reutte hat kein Geld im Budget übrig.

Von Helmut Mittermayr

Reutte –Absolutes Stillschweigen verlangte Bürgermeister Alois Oberer bereits Ende Februar von den Eingeweihten der Reuttener Gemeindeführung sowie der Spitze der Reuttener Kommunalbetriebe (RKB), als erstmals bekannt wurde, dass die Kosten für die Alpentherme Ehrenberg explodieren werden. Nicht einmal der Gemeinderat wurde in den darauffolgenden vier Monaten darüber informiert. Galten bei der Eröffnung im Dezember noch 16,79 Millionen Euro als fix, so werden inzwischen nicht einmal mehr 19 Millionen Euro als undenkbar angesehen. Die Baukostenüberschreitung soll im Minimum 12 Prozent betragen. Die Reuttener Kommunalbetriebe sind als Errichter der Therme der Marktgemeinde vorgeschalten. RKB-Geschäftsführer Klaus Schiffer bleibt in seiner Stellungnahme kurz: „Alles ist erklärbar und nichts in irgendwelchen Kanälen versickert. Aber an der Politik vorbei kann ich keine Erklärungen im Alleingang abgeben.“

Gemeinderat Günther Fasser ist im RKB-Beirat vertreten. Er wundert sich: „Warum gibt es noch immer keine Endabrechnung? Beim Bau kam gegen Ende dies und jenes dazu. 70.000 Euro da, 200.000 Euro dort, auf die Schließanlage wurde zum Beispiel ganz vergessen.“ Durch den monatelangen Baustopp seien nun etwa viele Arbeiten „in Regie“ zusatzverrechnet worden. Fasser verweist darauf, dass die Gemeinde im Budget keinen Cent übrig hat, um die Mehrkosten zu tragen.

Genaue Zahlen gibt es in zehn Tagen, wenn die RKB das nächste Mal tagen. Vizebürgermeister Dietmar Koler sieht die Problematik „vor allem in zusätzlichen Aufträgen“. Die enorme Kostenüberschreitung ist für ihn eindeutig durch Zusatzwünsche ausgelöst worden. Er wolle sich genau anschauen, wie es zu diesen Dimensionen kommen konnte, ist die Alpentherme doch speziell von einem externen Bäderplaner beraten und begleitet worden, gerade um solch eine Malaise zu verhindern.

Für Koler, den jährlichen „Macher“ des Reuttener Haushalts, ist klar, dass kein freies Geld im Budget zur Abdeckung vorhanden ist. Auch eine Kreditaufnahme in einer Größenordnung von zwei Millionen oder mehr Euro sei nicht denkbar. „Ich plädiere dafür, die noch ausstehenden Zahlungen der Reuttener E-Werke an die Marktgemeinde für den Kauf des Ortskanals vorzuziehen. In den nächsten drei Jahren stehen dreimal 700.000 Euro an uns aus. Die EWR müssten uns das sofort überweisen“, spricht Koler Klartext. Da dieses Geld dann aber schon 2013 im bereits äußerst angespannten Budget fehlen wird, hat der Vize BM Oberer vorgeschlagen, auch die Startwohnungen in der Südtiroler Siedlung an die EWR zu verkaufen, um frisches Geld hereinzubringen. Verhandlungen darüber sind bereits aufgenommen worden, räumt Koler ein.

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Dazu BM Alois Oberer: „Nach Vorliegen der bisherigen Unterlagen müssen wir leider mit Kostenüberschreitungen rechnen, die über die übliche Toleranzgrenze von fünf Prozent hinausgehen. Zusätzliche Maßnahmen zur Energieeffizienzsteigerung, Baukostensteigerungen, Attraktivitätsverbesserungen und Zusatzanschaffungen waren der Grund. Eine genaue Analyse kann erst durchgeführt werden, wenn die endgültige Schlussrechnung vorliegt.“ Im Oktober sei ihm noch versichert worden, dass es keine Überschreitung gebe. Oberer will keine Geheimhaltung angeordnet haben, die Verschwiegenheit gelte sowieso für alle Beteiligten.


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