Skigebietsfusion spürt Rückenwind

Nach einer Umfrage der ARGE Brückenschlag will die Bevölkerung im Tiroler Zentralraum ein großes Skigebiet. Das Herzstück soll weiter die umstrittene Verbindung Schlick-Lizum über die Kalkkögel sein.

Von Christoph Mair

Innsbruck –700 zufällig ausgewählte Bewohner aus Innsbruck, dem Westlichen Mittelgebirge und dem Stubaital bekamen im Mai einen Anruf der Gesellschaft für Marketing und Kommunikation (GMK) im Aufrag der ARGE Brückenschlag. Dieser Zusammenschluss der Gemeinden und Tourismusverbände der betroffenen Regionen und Innsbrucks setzt sich, wie berichtet, für ein Großraumskigebiet im Tiroler Zentralraum ein. Das Herzstück soll dabei eine Verbindung zwischen der Axamer Lizum und der Stubaier Schlick sein. Weil es sich bei den Kalkkögeln aber um ein streng geschütztes Ruhegebiet handelt, ist die Überspannung tabu, auch die Landesregierung hat schon abgewunken. Die Befürworter dieser großen Lösung wollen dennoch nicht aufgeben. Ganz im Gegenteil. Denn die Ergebnisse der Umfrage (Schwankungsbreite +/-3,8 %), die der TT exklusiv vorliegen, bestärken die Betreiber einer „großen Lösung“ in ihrer Strategie. Mehr als die Hälfte der Befragten befürworten demnach eine touristische Weiterentwicklung des Tiroler Zentralraums. 68 Prozent beurteilen dazu den „Schulterschluss der Gemeinden“ (siehe Grafik) als sehr bzw. ziemlich gut.

Bei der Frage, wie sie zu einem „Ausbau der Innsbrucker Skigebiete zu einem mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbaren Skigebiet, das internationalen Standards entspricht“, stehen, befürworten ihn zwei Drittel der Befragten, 17 Prozent lehnen ihn ab, 15 stehen ihm gleichgültig gegenüber, zwei Prozent machten keine Angabe. Bei der gleichen Frage auf das Mittelgebirge bezogen deklarierten sich 58 Prozent als Befürworter gegen 24 Prozent Gegner (Rest egal bzw. keine Angabe).

Rückenwind verspüren besonders die Stubaier ­ARGE-Mitglieder, die eine Verbindung von Neustift in die Schlick anpeilen, auch angesichts der öffentlichen Einstellung zu einer Neuerschließung eines Skigebiets im Tal (gemeint ist damit das Projekt Milderaun). Denn derartige Pläne lehnen gemäß Umfrage 62 Prozent ab, nur 17 Prozent können sich dafür erwärmen. Für Touristiker und Bürgermeister der betroffenen Regionen zeigen die Ergebnisse eine „eindeutige Stimmungslage pro Brückenschlag Mutters-Axams-Stubai“.

Für den Stubaier TVB-Obmann, Sepp Rettenbacher, könnte mit dieser Verbindung „mit vertretbarem Aufwand ein international wettbewerbsfähiges Skigebiet entstehen“. Gemeinsam mit dem Gletscher würde eine Tourismusdestination entstehen, die sich weltweit sehen lassen könnte, schwärmt Rettenbacher. Die Stärken des Brückenschlag-Projektes sieht der Planungsverbandschef des Westlichen Mittelgebirges, Bürgermeister Rudolf Nagl, darin, dass ein Skigebiet nach „internationalen Standards“ entstehen würde, das noch dazu mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sei. Mit „internationalen Standards“ seien die Anzahl der Anlagen und konkurrenzfähige Pistenkilometer gemeint, heißt es auf TT-Nachfrage. Dass in der Umfrage kein einziges Mal direkt auf die umstrittene Überspannung der Kalkkögel bzw. auf die Frage des Ruhegebietes und die Einstellung der Menschen dazu Bezug genommen wird, verteidigen die Auftraggeber. Die Umsetzung des Brückenschlages werde ohnedies erst möglich, wenn das Ruhegebiet Kalkkögel einen neuen Rahmen habe.

Sepp Rettenbacher verweist zudem darauf, dass mit „landschaftsschonenden und minimalsten Maßnahmen in der Natur“ ein maximaler Nutzen für die Infrastruktur des Großraumes Innsbruck und die Situation im Stubaital umsetzbar sei.

Die ARGE wolle weiterhin Lösungsansätze erarbeiten, um die Schutzgüter des jetzigen Ruhegebietes mittels eines modernen Nutzungskonzeptes ökologisch aufzuwerten und gleichzeitig einen durchaus zeitgemäßen Zugang zu ermöglichen, betont Nagl. Die Verbindung Schlick-Lizum, die derzeit auf Eis liegt, bleibe jedenfalls weiterhin zentrales Anliegen.


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