Heimkehr einer Verschollenen

Die „Tabernakelmadonna“ wird am 1. Juli in einer Prozession ins Servitenkloster heimgetragen.

Innsbruck –Nicht so groß wie die Prozession am 2. Juli 1612 wird die am heurigen 1. Juli sein, wenn die „Tabernakelmadonna“ – damals durch die Stadt in die Regelhauskirche der Servitinnen – nun durch das Kloster der Serviten in deren Kirche getragen wird. Die Gründung des Servitinnenklosters durch Anna Katharina von Gonzaga, der Witwe von Erzherzog Ferdinand II., war vor 400 Jahren der Grund zum Feiern, nun ist es die Rückkehr der seit den Achtzigerjahren des 20. Jahrhunderts verschollenen Madonna auf den Peregrini-Altar der Servitenkirche.

Dieses um 1610 entstandene Meisterwerk des Manierismus wird dem Münchner Hofbildhauer Christoph Angermair zugeschrieben. Sein Herzstück ist aber die von Hans Leonhard Waldburger geschnitzte, mit elfenbeinfarbiger Polimentfassung versehene „Tabernakelmadonna“. Ihre Spezialität ist ein kleines, unter einer goldenen Brosche verstecktes Türchen an der linken Brust, hinter der sich eine mit Samt ausgeschlagene Herzkammer für eine Hostie, heute eine Kreuzreliquie, befindet. Am Kopf trägt die Madonna eine Krone, in der Hand hält sie ein Zepter.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die „Tabernakelmadonna“ durch eine von Hans Andre geschnitzte Figur des Hl. Peregrin ersetzt und verstaubte hinter der Orgelempore. In einem Inventar von 1980 taucht sie noch auf, vier Jahre später war sie verschwunden. Um vor zwei Jahren in einem Versteigerungskatalog des Salzburger Dorotheums wieder aufzutauchen. Völlig falsch ausgewiesen als oberitalienische Arbeit um 1800 mit einem Ausrufpreis von 2000 Euro.

Der ehemalige Landeskonservator Franz Caramelle erkannte die „Tabernakelmadonna“ sofort, um sie am 31. März 2010 im Auftrag der Landesgedächtnisstiftung – weit unter ihrem Wert – um 4000 Euro zu ersteigern. In den vergangenen Monaten wurde die Statue restauriert, im Fundus des Servitenklosters wurde eine passende Krone gefunden und das fehlende Zepter und die Reliquienbrosche wurden restauriert bzw. ergänzt, wofür die Landesgedächtnisstiftung weitere 13.590 Euro lockergemacht hat.

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Am 1. Juli, 17 Uhr, wird in einem feierlichen Hochamt die „Tabernakelmadonna“ wieder ins Innsbrucker Servitenkloster heimgebracht. (schlo)


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