Debatte um Wasser schlägt Wellen

Tourismusexperten sehen kostenloses Leitungswasser durchaus differenziert.

Von Marco Witting

Innsbruck –Kassa mit dem Wasser? Für die unerschöpflichen natürlichen Ressourcen zahlen oder das kühle Nass weiterhin gratis im Restaurant genießen? Die Diskussion um das Leitungswasser in der Gastronomie hat nach dem TT-Bericht vom Dienstag im ganzen Land hohe Wellen geschlagen. Für Tourismusexperten ist klar: Es braucht hier eine differenzierte Betrachtung des heißen Themas ums kühlende Nass.

Nach dem Vorschlag der steirischen Wirtschaftskammer, für Wasser eine Servicepauschale zu verlangen, gibt es auch in Wien derartige Bestrebungen – wenngleich mit einem anderen Hintergrund. Das bisher gratis ausgeschenkte Leitungswasser soll in einer neuen Initiative in einigen Lokalen gegen eine Spende für ein gemeinnütziges Projekt serviert werden. Ein ähnliches Modell gibt es bekanntlich auch in Tirol – etwa beim Stanglwirt in Going, wo ein Teil der Wassereinnahmen für das Projekt Menschen für Menschen gespendet wird. Auch die Kärntner Wirtschaftskammer hat sich für eine Pauschale ausgesprochen. Nicht für das Wasser selbst, sondern für den Service. In Tirol gab sich die WK zurückhaltend. Die Kalkulation liege bei den Wirten.

Hubert Siller vom MCI Tourismus sieht das Streitthema ebenso „differenziert“. Es gebe keine pauschale Sichtweise, wie er sagt. „Ein Glas Bergwasser gehört schon zu den Grundfesten der Gastlichkeit in Tirol. Und als solches sollte es auch gratis dazuserviert werden.“ Doch es gibt für den Tourismusexperten Einschränkungen. „Wenn wir von einer hochkarätigen Inszenierung des Wassers, etwa gekühlt, in einer schönen Karaffe oder einem tollen Glas, sprechen, dann sieht die Lage schon anders aus.“ Unter diesen Umständen wäre es für die Gäste auch kein Problem, für das Wasser zu zahlen.

Von Zwangsverpflichtungen hält Siller nichts. Die Thematik dürfe auch nicht verkürzt dargestellt werden. Das Wasser sei in Tirol ein „wertvoller Schatz“ und es gebe durchaus die Möglichkeit, dies auch den Gästen oder Urlaubern noch deutlicher zu zeigen. „Die Wertigkeit von einem hochqualitativen Wasser aus dem Wasserhahn schätzen wir alle. Es wäre gut, wenn das auch deutlich sichtbar gemacht wird.“ In Hongkong würde sich niemand aufregen, wenn er für Wasser zahlen müsse.

„Das gratis Glas Wasser hat bei uns Tradition, da dem Wirt keine besonderen Kosten entstehen. Und so soll es meiner Ansicht nach bleiben“, erklärte gestern die Sprecherin der Grünen Wirtschaft, Angelika Hörmann, in einer Aussendung.


Kommentieren


Schlagworte