Die EURO sucht ihren Superstar

Mit Sticheleien von der Tribüne und „Messi, Messi“-Rufen haben die Zuschauer auch bei der EM den Portugiesen Cristiano Ronaldo geärgert. Der exzentrische Portugiese könnte sich zum überragenden EM-Star krönen - wenn nicht Özil, Pirlo oder zwei Spanier wären.

Warschau – Erst Russlands Alan Dsagojew, dann der deutsche Dreifach-Torschütze Mario Gomez - und am Ende vielleicht doch noch Portugals Außerirdischer Cristiano Ronaldo? Die EURO 2012 steuert auf ihr fesselndes Finale mit den packenden Halbfinal-Klassikern zu, der alles überragende EM-Star ist aber noch immer nicht gefunden. Müsste die Europäische Fußball-Union schon jetzt den besten Spieler des Turniers krönen, den UEFA-Experten fiele die Suche schwer.

Ronaldo hat ins Turnier gefunden

Die Duelle zwischen Titelverteidiger Spanien und Portugal am Mittwoch in Donezk und Deutschland gegen Italien am Donnerstag in Warschau entscheiden also nicht nur darüber, wer noch zusätzliche Flüge in den Finalort Kiew buchen und wer sich schon so langsam wieder auf die Lieben daheim freuen darf.

In den Halbfinals braucht es vielleicht den Geniestreich eines Individualisten wie Ronaldo, die Geistesblitze von Strategen wie Xavi oder Andres Iniesta, die Torvorbereitung eines Virtuosen wie Mesut Özil oder aber die Ballverteilung eines Andrea Pirlo. All das kann auch der UEFA bei der Wahl des besten Spielers helfen.

„Ronaldo schien am Anfang müde, er hat erst langsam in dieses Turnier hineinfinden müssen“, sagte UEFA-Präsident Michel Platini und betonte: „Nach einer langen Saison ist es schwer, sofort wieder in Fahrt zu kommen. Die Fitness der Teams wird eine entscheidende Rolle spielen. Die wiederum hängt von der Frische der Spieler ab.“

Spanische Stars noch unauffällig

Tatsächlich leisteten sich Ronaldo, Özil & Co. einen schläfrigen EM-Auftakt. Dann aber zauberte „CR7“ gegen die Niederlande und brillierte im Viertelfinale gegen Tschechien. Özil präsentierte sich gegen Griechenland viel auffälliger als in der Vorrunde und war an allen vier Toren beteiligt. Die Italiener lebten im Viertelfinale gegen England von den Zauberpässen Pirlos, der die Fußball-Feinschmecker im Elfmeterschießen zudem mit einem Lupfer à la Panenka verzückte.

Lediglich die spanischen Virtuosen Xavi und Andres Iniesta spielen bislang eher unauffällig. Xavi wurde vor vier Jahren beim Titelgewinn der Spanier in Österreich und der Schweiz zum besten Spieler der EM gekürt. Der König des Turniers muss aber nicht unbedingt aus dem Land des Champions kommen. Bei der WM 2010 in Südafrika präsentierte sich für die Experten des Fußball-Weltverbandes FIFA Diego Forlan vom Viertplatzierten Uruguay reif für den „Goldenen Ball“ als WM-Bester.

Sollte Reals Narziss und Dreifach-Torschütze Cristiano Ronaldo auch noch gegen Spanien glänzen oder die Portugiesen gar ins Endspiel schießen, dürfte ihm der offizielle Titel als bester Spieler der EM und der inoffizielle Orden als EM-Star sicher sein. „Ich möchte immer der Beste sein“, sagte Ronaldo zum EM-Start.

In den Stadien wurde der exzentrische Flügelstürmer auch bei dieser EM gerne mit „Messi, Messi“-Rufen von der Tribüne verhöhnt. Einen Titel mit der Nationalelf zu holen, wäre endlich etwas, das der Argentinier noch nicht geschafft hat. Und dann könnte EM-Star Ronaldo auch bei der Wahl zum Weltfußballer erstmals seit vier Jahren wieder vor Lionel Messi vom Erzrivalen aus Barcelona liegen. (dpa)


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