„Streicheln“ nur auf eigene Gefahr

Auf die Frage „Welche Tiere sind giftig?“ denkt man sofort an Schlangen, Spinnen oder Reptilien. Das ist auch völlig gerechtfertigt. Viele Vertreter dieser Tierarten haben und nutzen Giftapparate. Was viele jedoch nicht wissen, ist, dass auch so mancher Vogel und das Schnabeltier – als einziges Säugetier – giftig sind.

Bei der Balz werden die roten Schwellkörper um die Augen der Fasane größer und das glänzende Gefieder wird zur Schau gestellt.Foto: PantherStock

Von Helmut Pechlaner

Über die Herkunft der Gifte, sofern sie der Körper nicht selbst produziert, weiß die Wissenschaft fast nichts. Tatsache ist, dass solche Tiere bei Haltung im Terrarium ihr Gift verlieren, setzt man sie jedoch in ihren natürlichen Lebensraum zurück, ist das Gift sehr schnell wieder vorhanden.

Unter den Reptilien besitzen zwei Echsenarten und viele Schlangen Giftdrüsen. Diese leiten sich von Speicheldrüsen ab, von Drüsen, die ursprünglich ihr Sekret zur besseren Verdauung liefern. Bei zwei Arten von Krustenechsen befinden sich die Giftdrüsen beiderseits im Unterkiefer. Der Ausführungsgang für das Sekret endet an der Basis der vorderen Zähne. Entlang von Rinnen in den Zähnen gelangt das Gift in die Bisswunden.

Bei den so genannten Giftschlangen befinden sich die Giftdrüsen immer im Bereich der Oberkiefer. Einige Schlangenarten aus der Familie der sonst ungiftigen Nattern besitzen ebenfalls Giftdrüsen.

Aber bei ihnen kann das Gift nur für die Vorverdauung eingesetzt werden, da die speziellen Zahnstrukturen fehlen. Trugnattern besitzen im hinteren Bereich des Oberkiefers vergrößerte Zähne mit „Giftrinnen“. Der Biss der südafrikanischen Boomslang und der Vogelschlange kann auch für Menschen tödlich sein.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Die Giftnattern sind oft schwer von anderen Nattern zu unterscheiden. Sie besitzen vorne im Oberkiefer je einen Giftzahn, dessen Rinne komplett geschlossen ist. Das Gift wird wie durch eine Kanüle in die Wunde gepresst. Kobras, Mambas und Korallenschlangen sind deshalb gefürchtet. Speikobras spritzen durch diese Kanülen das Gift dem Angreifer entgegen. Dieses dient der Vorverdauung, aber auch dem Töten der Beute beziehungsweise der Abwehr des Angreifers.

Die höchste Entwicklung hat der Giftapparat bei den Vipern erfahren. Die Giftzähne sind lang, gelenkig aufrichtbar und haben geschlossene Kanülen, durch welche das Gift schnell und tief in die Wunde geleitet wird.

Schlangengifte sind ein komplexes Gemisch von Eiweißstoffen und Enzymen, die Zusammensetzung wechselt sehr stark. Schon frisch geschlüpfte Giftschlangen sind gefährlich. Bei Beutetieren wie Kleinsäugern und Vögeln führen die Schlangengifte zur schnellen Lähmung der Muskulatur, zu Herzkreislaufversagen und vor allem bei Vipernarten gleichzeitig zu starken Blutungen in das Gewebe, die Blutgerinnung wird stark gehemmt.

Heute weiß man, dass auch in der Vogelwelt Gift zur Abwehr von Feinden eingesetzt wird. Bei den Pitohuis, das sind Vögel aus der Schnäpperverwandtschaft Neuguineas, hat man nachgewiesen, dass ihr Gift als chemische Substanz dem der Pfeilgiftfrösche entspricht. Aber man weiß bis heute nicht, wie dieses Gift in den Federn, der Haut und der Muskulatur dieser Vögel entsteht und wo es herkommt.

Bei Säugetieren gibt es nur beim Schnabeltier einen Giftapparat. Nur das Männchen besitzt eine Giftdrüse mit hornigem Sporn an jedem Fußgelenk. Wird das Schnabeltier gepackt, wird der Sporn und somit die Giftdrüse als Waffe eingesetzt.


Kommentieren


Schlagworte