Der Feuerball auf der Haut

Der Sonnenbrand schmerzt, kann zum Kollaps führen und erhöht das Hautkrebsrisiko. Klinikexpertin Gudrun Ratzinger erklärt, was dabei im Körper passiert – und was hilft.

Von Elke Ruß

1Was geschieht bei einem Sonnenbrand? Er ist vergleichbar mit einer Verbrennung: Die UV-Strahlung, die die Haut trifft, führt zu einer Entzündungsreaktion. Erst wird die Haut rot, später bilden sich eventuell Blasen. Ein großflächiger Sonnenbrand ist eine großflächige Entzündung, die zu Fieber führen kann. Bei Blasenbildung kann es außerdem zu einer Infektion kommen, durch das Ausschwitzen verliert der Körper viel Flüssigkeit.

2Warum ist der Sonnenbrand gefährlich? Gefährlich sind die chronischen UV-Schäden: Man spricht von kumulativer Wirkung, es heißt „Sonne auf Lebenszeit“. Das betrifft auch Menschen, die viel draußen arbeiten – früher hat man sich auch nicht so geschützt. Zudem leben wir länger, das Freizeitverhalten hat sich geändert: Wir sind mehr draußen und an Orten, wo die Dosis höher ist. Das UV-Licht treibt die Hautalterung voran und es entstehen direkt an der DNA Schäden, die zu einer Krebsentstehung führen können (Photokarzinogenese). Dazu kommt die UV-Strahlung im Solarium. Die Leute sind also insgesamt mehr UV-Licht ausgesetzt als früher.

3Ist auch die Sonne aggressiver? Das kann man dort sagen, wo die Ozonschicht geschädigt ist. Bei uns kann ich das nicht wissenschaftlich bestätigen – aber man hört das. Geändert haben sich die Kleidung und Freizeitverhalten. Der Gipfel des Braunsein-Wollens scheint mir aber vorüber zu sein, es gibt mehr Gefahrenbewusstsein. Die Patienten, die wir sehen, haben es eher übersehen als bewusst riskiert. Das sind die, die einschlafen oder die Berge nicht gewöhnt sind. Im Hochgebirge, wo es kühler ist, wird die UV-Strahlung unterschätzt – ganz besonders im Schnee.

4Was ist bei der Kinderhaut anders? Man sagt, dass die Sonnenbrände der Kindheit Einfluss auf die Melanom-Entstehung haben. Kinderhaut ist dünner, die oberste Hautschicht hat weniger Schutzwirkung, oft ist sie weniger pigmentiert. Kinder unter einem Jahr sollte man daher gar nicht der Sonne aussetzen. Danach empfehlen wir, sie zu schützen und ihnen besonders im Süden sowie im Wasser Kleidung wie UV-T-Shirts anzuziehen. Kinder sind beim Spielen abgelenkt, im Wasser spüren sie die Hitze weniger – und sie haben weniger Gefahrenbewusstsein.

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5Was ist eine Sonnenallergie bzw. Mallorca-Akne? Was die Leute unter Sonnenallergie verstehen, nennen wir Polymorphe Lichteruption (PLE): Bei der ersten Sonne im Frühjahr kommt es zu Ausschlägen, Pusteln, Bläschen und Flecken. Das vergeht mit der Abhärtung, kommt aber oft im nächsten Jahr wieder. Betroffene, die es wissen, bräunen langsam vor, wobei wir aber Solarien nicht empfehlen, weil die UV-Belastung nicht gut messbar ist. Bei schweren Allergien bräunen wir vorsichtig mit einem UVB-Schmalbandgerät vor. Die Mallorca-Akne ist eher eine Akne-artige Hautveränderung sowie Mitesser oder Haarwurzelentzündungen an sonnenexponierten Hautstellen. Manche kriegen das in Zusammenhang mit fetthaltigen Sonnenschutzmitteln. Die Mallorca-Akne bekommen eher Leute, die auch sonst zu Akne neigen. Sie ist aber selten geworden.

6Was ist dran an Meldungen, dass manche Sonnenschutzmittel zu aggressiv sind? Vor allem fetthaltige Cremes werden von manchen Leuten mit fettender Mischhaut schwer vertragen – man muss aber für den Lichtschutz schmieren. Da kommt es eher zu einer Hautreaktion gegen die Sonnenmilchgrundlage. Verträglichkeit ist aber sehr subjektiv. Je öliger ein Mittel, je höher der Fettanteil, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Hautreaktion kommt.

7Wie behandelt man einen Sonnenbrand? Helfen Hausmittel wie Topfen? Beim Sonnenbrand dauert es zwölf bis 24 Stunden, bis das Maximum erreicht ist, nach 48 Stunden klingt er ab. Auf alle Fälle sollte man kühlen – etwa durch Lotionen wie Schüttelmixturen mit hohem Wasseranteil, der abdampft. Letzteres trifft auch auf Joghurt, Buttermilch und Topfen zu.

Man sollte keine alkoholhaltigen Lösungen oder Schnaps auftragen, weil sie zusätzlich austrocknen. Helfen kann auch eine Heilcreme. Bei einem ausgedehnten Sonnenbrand mit Blasen muss man auf den Flüssigkeitshaushalt achten: Der Körper verliert viel Flüssigkeit, das kann zum Kollaps führen. Unter Umständen muss man eine starke Entzündungsreaktion mit Cortison stoppen, manchmal kann auch Aspirin helfen.

8Wann muss man zum Arzt? Wenn mehr als zehn Prozent der Körperoberfläche betroffen sind und sich Blasen bilden, oder wenn zusätzliche Symptome wie Schüttelfrost, Fieber oder Schwindel auftreten, sollte man zum Hausarzt.

Öffnen soll man nur pralle Blasen, die schmerzen und fast reißen. Sonst sollte man sie lassen, weil das Blasendach einen gewissen Schutz vor Infektionen und weiterem Flüssigkeitsverlust bietet.

9Kann es sein, dass man nach dem Abheilen neue braune Punkte bemerkt? Durch den Sonnenbrand kann es zu einer scheckigen Hautveränderung kommen oder zu einer Pig­ment­bildung wie bei Somm­er­sprossen. Es ist aber auf jeden Fall eine Fehlmeinung, dass man erst rot werden muss, bevor man braun wird!


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