Waldbrände immer verheerender: 36.000 Menschen auf der Flucht

Wegen der verheerenden Waldbrände im Westen der USA müssen immer mehr Menschen ihre Häuser verlassen und sich in Sicherheit bringen. Besonders schlimm wüten die Feuer in Colorado. Dort will sich Präsident Obama am Freitag selbst ein Bild von der Lage machen.

Denver – Die Waldbrände im US-Bundesstaat Colorado werden immer verheerender. Bis zum Dienstagabend (Ortszeit) hatten die Flammen nahe der zweitgrößten Stadt Colorado Springs mindestens 36.000 Bewohner in die Flucht getrieben, berichteten örtliche Medien. Auch eine Akademie der US-Luftwaffe musste geräumt werden. „Dies ist ein Feuersturm unvorstellbarer Ausmaße“, sagte Feuerwehrchef Richard Brown. Auch im Bundesstaat Utah wüten seit Tagen mehrere Brände, ein Mensch kam ums Leben. Nach Angaben der „Salt Lake Tribune“ wurde in einem Feuergebiet im Landkreis Sanpete eine Leiche gefunden.

US-Präsident Barack Obama will ins Katastrophengebiet fliegen und sich einen eigenen Eindruck von der Katastrophe verschaffen. Er wolle den Einsatzkräften an Ort und Stelle danken, teilte das Weiße Haus am Mittwoch in Washington mit. Zugleich sicherte er den ebenfalls von Großfeuern betroffenen rund zehn Staaten an der Westküste Unterstützung zu.

Brütende Hitze verschärft Situation

In weiten Teilen von zehn westlichen Bundesstaaten herrscht wegen brütender Hitze und Trockenheit extreme Feuergefahr. In der Region von Colorado Springs brannten zahlreiche Häuser ab, wie die „Denver Post“ berichtete. Eine apokalyptisch wirkende Rauchwolke hänge über der 420.000 Einwohner zählenden Stadt an den Ausläufern der Rocky Mountains. Wohngebiete und die im Stau steckenden Autos fliehender Menschen seien von Asche bedeckt worden. Die in Richtung Osten führenden Straßen von Colorado Springs seien verstopft. „Die Menschen drehen durch“, sagte eine Augenzeugin. „Man fährt durch Qualm, es ist pechschwarz, und es fällt tonnenweise Asche auf die Straße.“

Bei brütender Hitze und großer Trockenheit fachten Windböen mit Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 100 Stundenkilometern die Flammen immer wieder explosionsartig an. In Colorado Springs kletterten die Temperaturen auf 38 Grad Celsius. Die Rekord-Hitze hält schon seit fünf Tagen an, und Meteorologen sagen voraus, dass es sich zumindest vorerst nicht merklich abkühlen wird.

Stromversorgung unterbrochen

Im Waldo Canyon nordwestlich der Stadt wütete der Waldbrand auf einer Fläche von gut 20 Quadratkilometern. Erst fünf Prozent des Feuers konnten unter Kontrolle gebracht werden, hieß es. Die Feuerwehr appellierte an die Menschen, ihre Mobiltelefone nur noch für Notrufe zu nutzen. Die Polizei teilte mit, dass die Versorgung der nordwestlichen Teile von Colorado Springs mit Strom und Gas unterbrochen werden müsse.

„Wie nach einer militärischen Invasion“

Gouverneur John Hickenlooper überflog das Gebiet in einem Hubschrauber und zeigte sich schockiert über das Ausmaß des Infernos: „Aus der Luft sieht es aus wie nach einer militärischen Invasion“, sagte er. „Ich sah Häuser, die bis auf die Grundmauern niedergebrannt waren, es war surrealistisch“, ergänzte er laut Nachrichtensender CNN. In Colorado kämpfen Tausende Feuerwehrleute schon seit Tagen gegen mehrere Brände. Unterstützt werden sie von etwa 100 Löschflugzeugen und -hubschraubern. Die Brände zerstörten bereits eine Fläche von 330 Quadratkilometern und zählen damit laut der „Denver Post“ zu den zweitgrößten in der Geschichte des Bundesstaates. Allein bei Fort Collins habe das Feuer fast 260 Häuser zerstört. (APA/dpa)


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