Google tritt mit eigenem Tablet gegen Amazon und Apple an

Mit dem Nexus 7 demonstriert Internet-Riese Google, wie er sich einen Tablet-Computer mit seiner Software Android vorstellt. Dem Rivalen Apple will er außerdem mit neuen Funktionen einheizen - eine Siri-Schwester inklusive.

Google ist laut „BrandZ“-Studie auch 2017 die wertvollste Marke der Welt. (Symbolbild)
© AP

San Francisco – Mit einem eigenen kleinen Tablet-Computer rüstet sich Google für den Wettbewerb gegen Amazon und Apple. Der Internet-Riese stellte am Mittwoch den iPad-Konkurrenten „Nexus 7“ vor, der mit einem Einstiegspreis von 200 Dollar (160 Euro) auf den Massenmarkt zielt. Das Tablet wird von Google gegen das iPad von Apple, aber vor allem auch gegen den Kindle Fire von Amazon positioniert. Das Gerät hat eine Bildschirmdiagonale von sieben Zoll und wird zusammen mit dem taiwanesischen Technologiekonzern Asus produziert.

Star der Entwicklerkonferenz Google I/O in San Francisco war am Mittwoch (Ortszeit) allerdings nicht die neue Hardware, sondern Sergej Brin. Unter dem Jubel der rund 6.000 Entwickler ließ der Google-Mitbegründer eine atemberaubende Demonstration der Video-Brille „Google Glass“ aufführen. Von der Bühne des Moscone-Centers aus steuerte Brin ein Team von Extremsportlern, die aus einem Luftschiff über San Francisco absprangen, mit ihren Fallschirmen auf dem Dach des Veranstaltungsortes landeten und sich dann an der Glasfront des Konferenzzentrums abseilten, um schließlich auf die Bühne zu kommen.

Virtual-Reality-Brille

Die gesamte Aktion wurde aus der Perspektive der Sportler live über die Brille „Google Glass“ in die Halle übertragen. Das Konzept einer Virtual-Reality-Brille, bei der Informationen aus dem Internet mit dem Live-Bild der Brillen-Kamera kombiniert werden, soll im kommenden Jahr mit einem erstem „Explorer“-Paket für Anwendungs-Entwickler in den USA vorangetrieben werden.

Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) räumte Brin ein, dass die futuristische Brille derzeit für viele Menschen noch komisch aussehe. „Es wird in ein paar Jahren aber einen Punkt geben, wo es merkwürdiger aussehen wird, wenn Leute im Gehen die ganze Zeit auf den Bildschirm ihres Smartphone herunterschauen.“ Bei dem Projekt gehe es vor allem darum, eine einfach zu bedienende Technologie zu entwickeln, die dem Menschen nicht im Wege stehe. Dafür gehe Google bei der Entwicklung der Technologie auch ein Risiko ein. Brin stellte in Aussicht, „Google Glass“ werde vermutlich ein Jahr nach dem Explorer-Bundle zu einem deutlich niedrigeren Preis als das Entwickler-Paket (1.500 Dollar) öffentlich verfügbar sein.

Deutlich früher können Google-Kunden den neuen Tablet-Computer in den Händen halten: In den USA, Kanada, Australien und Großbritannien soll das „Nexus 7“ Mitte Juli verfügbar sein. Das kompakte Vorzeigegerät im Sieben-Zoll-Format ist auf die Möglichkeiten von Android abgestimmt und bindet die Software-Plattform Google Play eng ein. Diese wird zu einer Medienzentrale und bietet künftig neben Anwendungen auch Filme, TV-Sendungen und Magazine an.

Die neue Android-Version 4.1 - Codename: Jelly Bean - wartet mit etlichen neuen Funktionen auf. Die überarbeitete Spracherkennung ist vollständig auf dem Gerät installiert und funktioniert somit ohne Internetverbindung. Das Siri-Pendant ist zunächst lediglich in Englisch verfügbar, weitere Sprachversionen sollen bald folgen.

Weitere Neuerungen: Über die Nahfunk-Technologie NFC sollen Nutzer Kontakte, Fotos und Videos mit einer simplen Geste austauschen können. Die Verbindung mit Bluetooth-Geräten wie Kopfhörern oder Headsets wird wesentlich vereinfacht. Zudem überarbeitet Google die Benutzeroberfläche. Die Auslieferung des Systems für Smartphones und Tablet-Computer soll Mitte Juli beginnen. Bis Nutzer die Software auf ihrem Gerät haben, vergeht erfahrungsgemäß aber einige Zeit - falls der Gerätehersteller überhaupt ein Update anbietet.

Mit neuen Zahlen unterstrich Google die Bedeutung von Android. Jeden Tag werden eine Million Geräte mit dem System aktiviert. Mittlerweile ist die Marke von 400 Millionen Android-Smartphones und -Tablets überschritten. Auf der Software-Plattform Google Play sind 600.000 Applikationen und Spiele verfügbar. Seit dem Start verzeichnete Google mehr als 20 Milliarden Installationen.

Investitionen in Google+

Der Internet-Riese investiert außerdem weiter in sein Soziales Netzwerk Google+, das vor einem Jahr gestartet wurde. Neue Apps für mobile Geräte sollen für eine bessere Nutzererfahrung auf Smartphones und Tablet-Computern sorgen - etwa, indem sie Fotos und Videos deutlich mehr Platz einräumen. Google-Manager Vic Gundotra betonte, Google+ sei auf einem guten Weg: Derzeit habe das Online-Netzwerk 150 Millionen aktive Nutzer und wachse weiter schnell.

Zur Google I/O haben sich mehr als 6.000 Programmierer und Internet-Experten in San Francisco versammelt. Ein wesentlicher Bestandteil der Konferenz sind die technischen Sitzungen, in denen das Unternehmen zeigt, welche Themen ihm besonders wichtig sind: Neben Android beispielsweise das mobile Betriebssystem Chrome, das Soziale Netzwerk Google+, der Kartendienst Maps, außerdem der Bezahldienst Wallet und die Daten-Synchronisierung Drive. Auch der Web-Standard HTML5 und YouTube spielen eine wichtige Rolle.

Der Google-Browser „Chrome“ ist nun auch für iPhones und iPads verfügbar. Die Apps seien noch am gleichen Tag in Apple‘s App-Store verfügbar, hiess es. Der Browser erlaubt es Nutzern von Apple- und Android-Geräten, geöffnete Webseiten auf all ihren Geräten zu synchronisieren. Eine Funktion, die Konkurrent Apple für sein neues mobiles Betriebssystem ebenfalls angekündigt hat.

Google‘s „Chrome“ hat Zahlen der Analyse-Firma StatCounter zufolge im Mai Microsoft‘s Internet Explorer als meistgenutzter Browser abgelöst. Über 310 Millionen Menschen nutzen das Programm, um im Internet zu surfen, sagte ein Google-Manager am Donnerstag.

Außerdem hat Google am zweiten Tag seiner jährlichen Entwicklerkonferenz Neuerungen für seine Online-Büro-Programme „Google Dokumente“ angekündigt. Die Programme, die denen von Microsoft Office ähneln, können nun auch ohne Internetverbindung genutzt werden, und werden synchronisiert, sobald das Gerät wieder auf das Internet zugreifen kann. (APA/sda)


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