Buffon gegen Neuer, oder das Duell zweier Ausnahmekönner

Der eine ist vierfacher Welttorhüter, der andere sein möglicher Nachfolger. Im EM-Halbfinale zwischen Deutschland und Italien treffen zwei der weltbesten Keeper aufeinander. Auf großer Bühne können Gianluigi Buffon und Manuel Neuer zeigen, wer der Bessere ist.

Warschau - Gianluigi Buffon bewies prophetische Gabe, irrte aber beim Termin. „Manuel, du bist derzeit der beste Torhüter der Welt“, schwärmte der Italiener, „beim Finale der EURO 2012 werden wir uns in Kiew gegenüberstehen.“ Mit seinem kurz vor der EM per Video aufgezeichneten Orakel lag er nur knapp daneben. Statt im Endspiel trifft Buffon bereits im Halbfinale am Donnerstag in Warschau auf den geschätzten Torhüterkollegen aus dem DFB-Team.

Der Fußball-Klassiker zwischen Italien und Deutschland wird zum Duell zweier Ausnahmekönner. Buffon und Manuel Neuer gehen als Schlüsselspieler in die Partie. Voller Respekt erklärte der 34-jährige Routinier den acht Jahre jüngeren Bayern-Profi zu seinem möglichen Erben: „Manuel Neuer kann eine wichtige Torwart-Ära im internationalen Fußball begründen.“

Zusammen mit dem Spanier Iker Casillas genießen Buffon und Neuer höchste Wertschätzung. „Die besten drei Torhüter stehen im Halbfinale, ohne eine Reihenfolge festzulegen“, kommentierte Bundestorwarttrainer Andreas Köpke. Ähnlich diplomatisch reagierte Joachim Löw auf die vielen Aufforderungen, Buffon und Neuer aus aktuellem Anlass miteinander zu vergleichen: „Buffon hat wahnsinnig viel Erfahrung. Er ist die Ruhe selbst. Manuel Neuer hat vielleicht einen etwas offensiveren Stil, spielt mit bei langen Bällen. Er ist fußballerisch besser als Buffon. Beide sind Weltklassetorhüter“, urteilte der Bundestrainer.

Mehr noch als Neuer in Deutschland genießt der „Portierone“ (Torwartgigant) genannte Buffon in seiner Heimat seit Jahren Kultstatus. Daran konnten auch die jüngsten Schlagzeilen über seine Zahlung in Höhe von 1,6 Millionen Euro an ein Wettbüro nichts ändern. Erzürnt über die Veröffentlichung erklärte er kurz vor der Abreise nach Polen, mit dem aktuellen heimischen Wettskandal nichts zu tun zu haben: „Ich kann mit meinem Geld machen, was ich will.“ Bisher sah die Staatsanwaltschaft keinen Grund, Buffon vorzuladen.

Spätestens seit dem Elfmeter-Krimi gegen England wird in Italien wieder mehr über die sportliche Klasse des Torhüters als über seine seit Jahren bekannte Wettleidenschaft gesprochen. Denn „Gigi“ bestätigte seinen Ruf als coolster Schlussmann. Mit den Worten „Forza ragazzi - wir gehen jetzt da hin und siegen!“ schwor er seine Mitstreiter auf den Showdown im Viertelfinale ein. Dann hielt er einen Elfmeter und gab Alessandro Diamanti auch noch den entscheidenden Tipp für den Elfer zum 4:2-Triumph. Verbandspräsident Giancarlo Abete geriet ins Schwärmen: „Wir sind ein Team, aber große Spieler wie Buffon geben Sicherheit.“

Von dieser Sicherheit hätten die Italiener liebend gern auch bei der Fußball-WM 2010 in Südafrika profitiert. Das verhinderte der Bandscheiben-Vorfall des Keepers zum Turnierbeginn. Für viele Italiener war sein Ausfall der Grund für das frühe Aus des Teams in der Gruppenphase.

Vom erfolgreichen Comeback Buffons profitierte nicht nur die Nationalmannschaft. Dank seiner Klasse blieb Meister Juventus Turin in der Serie A eine Saison lang ungeschlagen. Nun will der Keeper dazu beitragen, dass die Deutschen am Donnerstag wie stets bei großen Turnieren gegen Italien den Kürzeren ziehen und wie beim 0:2 im WM-Halbfinale von 2006 gegen die Squadra ohne Torerfolg bleiben.

Das erhöht die Chance, mit seinem legendären Landsmann Dino Zoff gleichzuziehen und nicht nur Welt-, sondern auch Europameister zu werden. Wohl auch deshalb hat Buffon nach dem Sieg gegen England auf ausgelassenen Jubel verzichtet: „Ich mache keinen Freudensprünge für ein Halbfinale. Ich werde jubeln, wenn ich den Cup hochhalte.“ (dpa)


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