Würze für die Wahl in der Salzstadt

Mit dem Näherrücken der Bürgermeisterstichwahl in Hall am Sonntag wird mitunter auch der Ton etwas rauer. Die Tiroler Tageszeitung bat Eva Maria Posch (VP) und Karin Klocker (SP) zum Streitgespräch.

Von Christoph Mair

Innsbruck, Hall –Der kommende Sonntag, 1. Juli, bringt nicht nur das Finale der Fußball- Europameisterschaft, sondern auch die Entscheidung, wer für die nächsten vier Jahre auf dem Bürgermeistersessel der Stadt Hall Platz nimmt. Eva Maria Posch (VP) und Karin Klocker (SP) stehen in der Stichwahl (siehe Kasten).

Wenn es ums Ganze geht, wird in der Politik wie im Fußball das Tempo höher und der Umgang etwas rauer. Hatten sich Posch und Klocker bislang einen an Aufregern armen und von Untergriffen wohltuend freien Wahlkampf geliefert, bewiesen sie im direkten Aufeinandertreffen bei der Tiroler Tageszeitung, dass es doch um Konfrontation geht.

Am meisten unterscheiden sich die Wahrnehmungen über die politische Zusammenarbeit. Vizebürgermeisterin Eva Maria Posch, die von einer „angenehmen Zusammenarbeit“ im Gemeinderat und einem Kontakt darüber hinaus sprach, die sie unter Einbindung aller Fraktionen fortsetzen wolle, erntete von ihrer Amtskollegin Karin Klocker dafür nur Kopfschütteln. „Diesen Austausch hat es nicht gegeben, außer er ist an mir spurlos vorübergegangen.“ So würden ihr als zweiter Vizebürgermeisterin Stadt- und sogar Gemeinderäte der ÖVP vorgezogen, um die Stadt bei offiziellen Anlässen zu vertreten, ohne sie überhaupt zu fragen: „Ich erfahre das dann von Leuten aus meinem Umfeld, die mich fragen, wo ich war, und ich weiß von nichts“, empörte sich Klocker. Sie betonte auch, dass sie als Bürgermeisterin, die nicht der Mehrheitsfraktion angehöre, mit den anderen Fraktionen zusammenarbeiten müsse. „Wenn ich von der Fraktion mit absoluter Mehrheit bin, muss ich das nicht, das ist ein Gnadenakt.“ Praktisch keine Chancen räumt Klocker auch einer Wahl zur ersten Vize-BM im Gemeinderat ein, hat die VP-Mehrheit dafür doch schon Werner Nuding in Stellung gebracht. Posch wollte eine Unterstützung Klockers auf Nachfrage zumindest nicht ausschließen. Auf regelmäßige Termine mit der neuen Bürgermeisterin können sich Gemeinderatsparteien jedenfalls einrichten, denn sowohl Klocker als auch Posch sprachen sich für einen Jour fixe aus. Letztere wehrte sich auch dagegen, dass die ÖVP nicht an Mitarbeit interessiert sei. „Wir haben die Obmannschaft von drei Ausschüssen abgegeben.“ Bei wichtigen Entscheidungsprozessen wie dem Raumordnungskonzept oder dem Flächenwidmungsplan seien alle Fraktionen dabei. „Ich lebe das, weil es um jeden konstruktiven Beitrag, egal von wem, schade wäre.“

Größere Überschneidungen sind schon bei Sachthemen zu verzeichnen. Trotz angespannter Finanzlage der Stadt sprechen sich beide Kandidatinnen gegen Erhöhungen bei Steuern und Gebühren aus. Posch setzt stattdessen auf die Kommunalsteuer. „Es ist uns mit der ÖVP gelungen, den Wirtschaftsstandort so attraktiv zu halten, dass die Kommunalsteuer trotz Krise gestiegen ist“, konterte sie Klocker, die mit mehr Wirtschaftskompetenz als die Juristin Posch punkten will.

Für Betriebsansiedlungen oder Vergrößerungen hat Posch das brachliegende Areal der Straubkaserne im Visier. „Dafür haben wir in Hall sonst keine Flächen mehr. Beim Thema Wohnen bin ich überzeugt, dass wir auch andere Gebiete haben.“ Genau das Gegenteil denkt Karin Klocker, die es „jammerschade“ finden würde, das Areal ausschließlich für Gewerbe zu nutzen. Ihr schwebt die Entwicklung eines neuen Stadtteils „Hall West“ vor, doch genau wie Posch will sie dabei nichts überstürzen. „Das muss nicht in dieser Legislaturperiode sein.“ Diese dauert übrigens noch vier Jahre und beide Damen versichern, dass sie Hall verlässlich erhalten bleiben. „Es sind andere Personen für höhere Weihen vorgesehen“, kommentierte Klocker die jüngste Personalsuche der SPÖ im Land mit einem Schmunzeln.


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